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Darum
steht jetzt der Kleiber als Vogel des Jahres stellvertretend für viele andere Arten, für
Mittelspecht und Kleinspecht, Grau- und Grünspecht, Waldohreule, Rauhfußkauz
und Sperlingskauz, Sommer- und Wintergoldhähnchen und als Mahnmal für den
Wald. Da
der Kleiber kopfabwärts läuft und sogar mit dem Kopf nach unten fressen
kann, ist er etwas Besonderes. Er weiß sich bemerkbar zu machen, denn er
pfeift wie ein Gassenjunge. Da er noch halbwegs häufig ist und damit jedem
auffällt, ist er ein guter Botschafter, da er überall in Erscheinung tritt. Er soll den Blick schärfen für artenreichen
Naturwälder, die nicht etwa nach einem Kahlschlag, sondern in allen
Altersklassen sprießen.
Dieser Wald ist zudem, weil die Sonne im Frühling an den Boden kommt etwas
Bemerkenswertes. Denn dann schmückt sich der Waldboden mit
Frühlingsknotenblumen, Anemonen in weißer und gelber Farbe, blauen
Leberblümchen, Lerchensporn und Orchideen. Da krabbelt es von Spinnen,
Käfern und vielerlei Insekten, die der Kleiber auch mag, allerdings um sie
zu fressen.
Mit
dem Nestbau beginnt er schon im März und in der zweiten Hälfte April liegen
6-7 weiße Eier mit rostfarbenen Sprenkeln darin. Bis Juni werden nach 15-19
Tagen Brütezeit dann die Jungen ausfliegen. Kleiber sind weit verbreitet und
in ganz Deutschland zu finden. In Bayern sind es um die 400.000 bis 600.000
Brutpaare. Wie viele wir im 5seenland haben, weiß niemand zu schätzen.
Als
stimmgewaltiger Botschafter der naturnahen Wälder ist der Kleiber also nicht
unmittelbar gefährdet, wohl aber sein Lebensraum, der Naturwald. Was wir
brauchen ist eine naturgemäße naturnahe Forstwirtschaft – nicht Holzackerbau
und Fichtenplantagen, denn das sind keine Wälder für Kleiber und all die
anderen Vogelarten im Wald. Sie sind aber auch keine Wälder für die Seele
von uns Menschen, jedenfalls nicht von solchen, die den Wald als eine Art
von Heiligtum ansehen.
Wolfgang Alexander Bajohr |