Vögel im Wald: Vagabunden und „Tannenpapageien“ - Fichtenkreuzschnäbel brüten im Winter
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Für manchen Waldfreund ist die Fichte heute ein Schreckge-spenst geworden, und doch ziert sie Weihnachten viele Stuben. Wenn heute von Fichten die Rede ist, denken die einen verächtlich an „Holzackerbau“, und doch ist sie noch immer der Brotbaum der Forstwirtschaft. Dieser Alltagsbaum kann, wenn man ihm die Gelegenheit dazu gibt, im freien Stand und am Waldrand zu beachtlicher Größe und Schönheit heranwachsen. Manche hat dann einen Meter Stammdurchmesser und mehr. Unter den Gästen der Fichte, gibt es aber auch welche, für die ein solcher Baum etwas ganz Besonderes ist. Unter den Vögeln ist das der Fichtenkreuzschnabel, der auf die Früchte der Fichten |
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angewiesen ist und weil er nahezu ausschließlich davon lebt. Manche dieser mächtigen Altfichten, die am Waldrand stehen, sind etliche Hundert Jahre alt, aber noch immer jugendfrisch, denn im Wechsel bringen sie alle paar Jahre mächtige Büschel von Hunderten Zapfen hervor, dass es eine Pracht ist. Tief steht die Sonne im Westen, und je tiefer sie herab sinkt, desto sagenhafter lässt ihr goldener Schein die Zapfen plastisch werden. Sie glühen auf, Zapfen an Zapfen, und selten habe ich sie derart üppig gesehen. Die Beleuchtung löst die Bäume vom Hintergrund, dem langsam ansteigenden artenreiche Hangwald, der schon im Schatten eines anderen Berghanges versinkt. Ich blicke aber nicht hinauf, um Zapfen zu zählen. Mein Blick gilt der Vogelschar, welche sich in der himmelhohen äußersten Spitze dieser Bäume tummelt. Kein Zweifel, dem Flug nach sind es Finkenvögel, aber recht kompakte, die sich auf die alleräußersten Spitzen und Zweige des Baumes setzen. Etliche sind karminrot wie der Abend, andere grün wie die Grünfinken. Aber es sind weder Buchfinken noch Grünfinken. Angestrengt versuche ich Details zu erkennen, und endlich zeigt mir das Fernglas den gekreuzten Schnabel, also sind es Fichtenkreuzschnäbel. Sie zwitschern und singen. Es ist Anfang Januar, mit scheint es noch etwas früh für die Balz, denn rundum liegt Schnee. Kein Zweifel! Sie balzen! |
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Futterangebot stimmt, dann sind sie nicht nur Vögel des Waldrandes oder der Wildnis, sondern auch Vögel meines Gartens, in dem auch große Fichten Zapfen anbieten. Fichtenkreuzschnäbel sind unberechenbar und unstet. Sie erscheinen heute im Bayerischen Wald, morgen im Seeholz hinter dem Ammersee, an der Isarleiten oder am Alpenrand. Da kann dann die Brut im Winter, im Frühjahr, Sommer oder Herbst stattfinden. Im Januar brütende Vögel können auch im Herbst eine zweite Brut aufziehen. Voraussetzung ist immer nur, dass reichlich Nahrung im Angebot ist. |
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wohl an, dass er von dem Holzackerbau der Forstleute profitiert hat, dass deren erweitertes Areal auch zum erweiterten Areal für den Fichtenkreuzschnabel geworden ist. Das Wort Zigeuner drückt es treffend aus, dass es oft jahrelang keine Brutvorkommen gibt, oder dass man sie nicht rein zufällig gefunden hat. Man nahm bis jetzt an, dass sie nur bis in 1000 m Höhe vorkommen können, aber wir wissen heute, dass sie noch in 1800 m Höhe gefunden wurden. Was ich bestätigen kann, weil sie mir bei der Hochgebirgsjagd begegnet sind. Ein Zusammenhang mit zumindest kleinen Fichteninseln ist dabei immer zu erkennen. |
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zu erforschen und Rückschlüsse aus Ring-Funden zu ziehen, geben hinsichtlich seiner regionalen Wanderungen ein völlig verworrenes Bild. Viele Erkenntnisse seiner Lebensweise fehlen bis heute total. Vorsicht vor dem Menschen lassen sie weitgehend vermissen, und wenn die Jungen ausfliegen, sitzen sie auf den Zäunen herum, die Alten aber auf dem Baum auf ihrer Warte, wenn sie nicht gerade an den Zapfen knabbern. Das sind nicht nur die der Fichte, sondern auch jene von Lärchen, die leichter zu öffnen sind oder von Waldkiefern, die schwerer zu öffnen sind. Ein derart differenzierter Vogel hat den Volksglauben und Volksaberglauben natürlich herausge-fordert. Der gekreuzte Schnabel ist alleine schon ein göttliches Zeichen, das im Christentum seinen Niederschlag gefunden hat. Da schon die Kelten und die Germanen sie schon früh entdeckten, war er auch Symbol für den Thorshammer. Damit war ein Kreuzschnabel im Haus natürlich der beste Schutz gegen Blitzschlag. Es gibt eine ganze Reihe Deutungen, die aber durchwegs absurd sind. Dutzende Namen aber hat der Schnabel dem Vogel gleichfalls eingebracht. So ist er z.B. im Schweizer Kanton Solothurn ein „Dannababagei“, also ein „Tannenpapagei“. Bedeutungen hatte es auch für manche abergläubische Auslegung, ob der Unterschnabel den oberen Schnabel links oder rechts kreuzt. Schließlich und endlich hat der Vogel sich ja den Schnabel verbogen, als er Jesus am Kreuz befreien wollte und versuchte, die Nägel mit dem Schnabel herauszuziehen. |
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Zunge den Samen heraus. Das geschieht jahraus, jahrein mit der einzigen
Abwechslung zwischen Fichte, Kiefer und Lärche. So füttert er schon im
Februar die Jungen, die ebenfalls nur Baumsamen erhalten bis sie ausfliegen.
Wohl aus Gesundheitsgründen sucht sich der Vogel eine Art Apotheke, das ist
stets etwas Mineralhaltiges, wie Erde, Asche, Jauche und Kunstdünger oder
auch nur morsches vermodertes Holz oder gebrannter Kalk. |
Wolfgang Alexander Bajohr