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Sein schönstes Flugspiel aber ist in der Balzzeit der Schleifensturzflug in Serpentinen. Unendlich hoch ist er zunächst ins endlose Blau des Himmels hinaufgesegelt, und dann stürzt er sich herab in gewundenen Schleifen bis auf die Kronen des Buchenwaldes. In den Kurven stemmt er sich auf die Seite und taucht schließlich in das Astgewirr des Waldes ein. Hier reißt er beide Schwingen steil nach oben, wohl auch, damit er zwischen dem Geäst besser hindurchfliegen kann. Wieder streicht er hinaus auf den Schlag, wo die Thermik über der erwärmten Fläche aufwärts geht. Und schon schraubt er sich segelnd wieder hinauf, bis er dem Blick entschwindet und mit den Sturzflügen erneut beginnen kann. An
Tagen ohne Sonne und Thermik entfallen auch diese Balzflüge, denn die
Thermik braucht er, um mit ihrer Hilfe zu steigen und hinaufzusegeln in die
großen Höhen. Nur dann kann er Schönheit, Kraft und Größe so
vollendet zur Geltung bringen. Doch auch die geraden Sturzflüge mit
angewinkelten Schwingen im Düsenjägerprofil gehören zu den Höhepunkten
seiner Balzflüge. Es faucht und zischt, wenn er sich herabstürzt, steil
und gerade in Höchstgeschwindigkeit wie bei einem Angriff. Auch dann
zischt er fauchend in die Baumkronen hinein, hebt die Fittiche erneut nach
oben, um den gefährlichen Ästen auszuweichen und schon ist er wieder über
dem Schlag. Er segelt erneut
hinauf in Spiralen, wie wir es vom Bussard kennen, aber auch von Adler und
Weißstorch. Aus dem Gleitflug kommt er zuweilen auch steil herab, kippt
über den Rücken nach unten und dreht sich zwei-, dreimal um die eigene
Achse, fängt den Absturz aus der Höhe wieder auf, jongliert mit dem
Gabelschwanz und beginnt schon wieder zu segeln. Manchmal wirft er sich übermütig
im Sturzflug auch nach links und rechts abwechseln auf die Seite,
ruckartig mal auf eine Seite und wieder auf die andere. Auch das endet mit
dem Ausweichen in den Ästen der Baumkronen. |
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Im anschließenden flachen Horizontalflug schlagen sie mächtig mit den Schwingen, schlagen sie tief und weich durch im typischen Weihen-Schlag bis sie wieder in den Bereich der Thermik kommen und segeln können, während sie im Wald, wie beim Girlandenflug die Flügel hochreißen müssen. Dabei lassen die Milane einige Rufe hören, die an das lachende Wiehern des Grünspechts erinnern. In der Balzzeit sind sie überhaupt sehr ruffreudig, und auch ehe sie auf dem Horst treten, rufen sie. Das Weibchen legt sich mit nach unten gelegtem Kopf flach und mit gespreizten Schwingen auf den Horst, während das Männchen mit hochgestellten Schwingen balanciert. Danach schnäbeln sie wieder nach Art der Tauben, dass man das knabbernde Geräusch bis auf den Waldboden hört. Noch
ehe der Horst fertig ist, wird sie ihre 4-5 Eier legen und währenddessen
sammeln sie die Polsterung ein, die im
menschlichen Wohlstandsmüll gefunden wird, denn Papier und Lappen
sind fast immer dabei. Gegen andere Vögel ihrer Art oder auch andere
Greifvogelarten sind sie friedlich und verteidigen nur unmittelbar den
Horst. Doch kann es sein, dass zwei Milanpaare auch 500 m nebeneinander brüten,
oder dass der etwas kleinere aber wehrhaftere Schwarzmilan in der Nähe
horstet. Im Horstbereich hören wir auch oft die Kontaktlaute der Partner,
ein warnendes und anhaltendes Trillern. Doch kann dem Horst kaum jemand
gefährlich werden, weil er sehr hoch in den Buchen liegt. Wir haben
einmal einen erstiegen der runde 35 m über dem Erdboden gelegen ist. Da
kann unsereins sich schon fürchten. |
Bei unseren Vorfahren waren Rotmilane Schicksalsvögel, auch ihr zweiter Name Königsweihe deutet das an, und ein Rotmilan hält auf dem Tempel des Apollo die Wache. Erscheinen Rotmilane im Krieg auf dem Schlachtfeld, gilt das als ein böses Omen und kündet die Niederlage an. Stiehlt er den Schamanen beim Tieropfer die Eingeweide des Opfertieres, ist auch das ein böses Zeichen. Begegnet man der Gabelweihe schon früh morgens vor 5 Uhr, bedeutet das den Tod, aber um 5 Uhr nachmittags nur Verdruss. Unheimlich ist es schon wenn er am Himmel seine Kreise zieht, denn gutes bedeutet es nicht. Ernst wird es erst, wenn Milane eine Gegend frühzeitig verlassen, denn dann ist die Pest im Anmarsch. Galizische Rutenen meinen gar, dass die Gabelweihe von Gott verflucht sei, weil sie sich weigerte den Befehl Gottes auszuführen, zwischen den Teichen und Tümpeln Gräben und Bäche zu graben. Darum darf er nicht aus Bächen und Flüssen trinken, sondern nur aus Tümpeln und Teichen. Da die aber zeitweise austrocknen, leidet er dann Durst und muss sich Wasser von den Blättern und Bäumen ablecken, was recht mühsam ist. Darum jammert er auch und ruft kläglich "picj, piviej". So ist denn auch das Sprichwort entstanden: "Er lechzt nach Wasser wie eine Weihe". Hatte jemand in Frankreich einen langen Hals, sagte man, dass er den von der Weihe geerbt habe. Im Elsass aber ist der Name "Gabelweihe" eine Scheltrüge für ein unruhiges Kind. |
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unruhig aber kann der Milan gar nicht sein, denn sein Weibchen brütet
ganz alleine die Eier aus, und da muss sie schon 31-32 Tage recht
still
sitzen. Bis die Jungen dann ausfliegen, dauert es nochmals 48-60 Tage
je nach dem Angebot an Nahrung. Ist die knapp, dauert es länger.
Nur 1,7 bis 2,2 Junge kommen von jeder Brut im Schnitt durch. Aber
in Wales hat sich trotz dieser kleinen Zuwachsrate der Bestand in 30
Jahren verdreifacht. Nicht überall ist die Lage so günstig, denn in den Ost- und Südosteuropäischen Ländern, wo Vogeljagd auf Greifvögel zur Volkstradition gehört, sind die illegalen Abschüsse recht erheblich. Noch schlimmer aber als diese Wilderei ist es, wenn man dem Vogel den Lebensraum entzieht, und da müssen wir uns an die eigene Nase fassen mit unserer Großflächenlandwirtschaft und Heckenrodungen. Nur wo es seinen Beutetieren gut geht, dort geht es auch dem Milan gut. Besonders wo es Weideland gibt und Feldfutterbau mit Luzerne. |
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Rotmilane sind seit jeher Kulturfolger, die auch von Müllhalden profitiert haben. Am wohlsten fühlen sie sich in Biosphärenreservaten mit traditioneller Landnutzung, gegliederten Feldfluren, extensiv genutzte Kulturlandschaften mit Randzonenstrukturen. Sie horsten zwar im Wald, aber der Wald liefert ihnen kaum Nahrung, sondern Bäche und Stillgewässer mit angetriebenen toten Fischen, kleine Wiesen zwischen Hecken, die oft weit vom Horst entfernt liegen. Landschaften mit Tümpeln und kleinen Feldgehölzen. Wie könnte es anders sein, der Vogel des Jahres 2000 will genau jene Landschaft, die auch mit dem FFH-Konzept der EU, Natura 2000, für Mensch und Tier erhalten werden soll, Bauernland, das genauso bewirtschaftet wird wie es Groß- und Urgroßvater einst bewirtschaftet haben, jene bäuerliche Kulturlandschaft also, die man noch Heimat nennen kann. Unfug ist die überall zu lesende Verkündung, dass Rotmilane von Hamstern lebten und nun aussterben, weil es keine Feldhamster mehr gibt. Das wiederum tut ihm gar nichts, obwohl er sie örtlich totgefahren von Straßen sammelt. Wenn die Landschaft von Hasen wimmelt (auch das gibt es noch), fängt er sich den einen oder anderen Junghasen. Das wiederum spielt dort keine Rolle, wo es genügend davon gibt. |
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Rotmilane sind nicht wählerisch. Sie begnügen sich mit gefundenem Aas oder nehmen anderen Beutegreifern die Beute weg. Sie sammeln am Ufer tote Fische auf und sie schlagen selbst alles was sie bewältigen können. Das sind alle Kleinsäuger und die meisten Vogelarten, vom Kleinvogel bis zur Größe von Enten. Sie fangen sich Siebenschläfer und Ratten, Mäuse und Wühlmäuse, aber auch Kröten und Frösche, und wenn gar nichts mehr zu finden ist, begnügen sie sich auch mit Käfern, also mit allem was Feld und Flur, Wald und Gewässer hervorbringen oder was tot herumliegt. Das kann sogar ein Fuchs sein oder ein verendetes Reh. Sie profitieren von allem. |
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Während der Bussard sich nie an Nutzwildarten vergreift, passiert das beim Milan schon einmal. Angesichts seiner Seltenheit fällt das aber nicht ins Gewicht, denn es verteilt sich auf enorme Flächen und der Verlust, in der Regel Jungtiere, liegt im Rahmen der natürlichen Mortalität und ist gar nicht messbar. Größere Beute kann er bei einem Gewicht von nur 1 bis 1,2 kg auch nicht tragen, denn das transportierte Tier muss immer leichter sein als er selbst. Was dem Rotmilan ernsthaft zu schaffen macht, ist die industrialisierte Intensivlandwirtschaft. Nur eine flächendeckende ökologische Landnutzung kann die gewachsene Artenvielfalt wiederherstellen und damit den Lebensraum für den Rotmilan erhalten. Gefordert ist die Politik, denn der größte Feind der Bauern ist in den eigenen Reihen, wer den bäuerlichen Familienbetrieb wegrationalisiert. Wo es keinen Rotmilan mehr gibt, ist auch die Arbeit des Bauern zu Ende. Text und Fotos: Wolfgang Alexander Bajohr |
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