Wald: Freund Biber, besser als sein Ruf
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Es ist ein lauer
Sommerabend an einem kleinen Waldbach. Das gedämpfte Licht dringt durch
Baumweiden am Bachufer. Wasserdost steht hoch am Ufersaum und riecht nach
üppigem Grün. Wie von der Ferne hören wir Wasser rauschen. Ein
Biberdamm auf Ästen und Stammteilen aufgetürmt, hat den Bach hier
verbreitert. Das Wasser vor uns beginnt leicht zu wabern. Luftblasen
steigen aus der Tiefe des Gewässers auf. Wie aus dem Nichts taucht er auf
und gleitet lautlos durch das Wasser. Der Gestalter der Auen der Biber. |
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Doch warum ist das so? In
den Medien ist der Biber kaum eine Nachricht mehr wert, dazu gilt er als
zu häufig. Informiert wird noch bei höheren Schäden. Dadurch sind
Bibermeldungen in den Medien nur negative Meldungen, die dieser
heimischen Tierart den Boden der Akzeptanz entziehen und mit ihr vielen
Naturschutzanstrengungen. |
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Biber und Dämme Wo Biber Dämme bauen und
aktiv ihren Lebensraum gestalten, kehrt das Wasser und die Dynamik wieder
in unsere Landschaft zurück, erodiert und landet auf, gestaltet um und
schafft dabei neue Strukturen. Je nach Geländesituation werden wenige
Quadratmeter bis hin zu einigen Hektaren flach überstaut. Seggenrieder
stellen sich ein, in die bald die Wasserralle einwandert. Zahllose gebänderte
Prachtlibellen tanzen entlang des Biberbachs, deren Larven sind
gleichzeitig wichtige Eiweißquellen für Zwergtaucher und Barbe. Wo
Schilf entsteht, stellen sich Rohrammer und Teichrohrsänger ein. Durch
den Überstau sterben einzelne Weiden ab. Genau auf diesen absterbenden Bäumen
stellt sich der Scharlachkäfer ein. Eine nach der europäischen
FFH-Richtlinie besonders geschützte Käferart, die massiv von der Aktivität
des Bibers profitiert. Die gleichen Weiden dienen dem Klein- und
Buntspecht zur Nahrungssuche nach verschiedenen Käferlarven. Wird ihr
Holz anbrüchiger, entstehen bald Specht‑ oder Faulhöhlen. Vor
diesen jagt der Halsbandschnäpper im freien Luftraum über dem Biberteich
nach Fluginsekten, die aus den produktiven Wasserflächen geschlüpft
sind. Bricht nun das vom Biber geschaffene Todholz zusammen, entstehen
neue Verstecke für Jungfische, ebenso wie wichtige Laichplätze. Das sich
zersetzende Todholz bildet dann wieder die Nahrungsgrundlage für
Algenrasen, die von Insektenlarven abgeweidet werden. Der Biber ist so mit
seinem Netzwerk an Dämmen und seinem aktiven Todholzmanagement ein Motor
für die Aue, dessen "Nutzen" nicht seriös mit seinem
"Schaden" aufgerechnet werden kann. Zahlreiche Fischarten leben
jedenfalls dort, wo der Biber den Bach mit seinem Damm aufgeweitet hat und
lassen den Eisvogel folgen und später vielleicht sogar den Schwarzstorch
und den Fischotter. Doch nicht nur lebendige Bäche kann der Biber
schaffen. |
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Ein Beispiel soll diese
enorme Größenordnung dieser Zahlen noch verdeutlichen: Im gesamten alten
Nationalpark Bayerischer Wald wird im Laufe eines ganzen Winters gerade
einmal die Menge von 10 Mio. Liter Wasser als Schnee gespeichert. PROF. DR. VOLKER ZAHNER |