Bäume: Schwarzpappeln sind ein unersetzbares Stück Lebensraum (Baum des Jahres 2006)
|
Auwälder sind mehr als die vielen Bäume, die darin wachsen. Doch diese Auwälder sind heute rar geworden. Denn unsere Flüsse sind reguliert, und an den See-Ufern tummelt sich das Freizeit-Volk. So ist die einstige Pracht im Bereich der Überschwemmungs-Landschaften lange vorbei. Überschwemmungen sind unerwünscht, denn sie gelten als Katastrophe. Auwälder aber sind die Artenreichsten unter den Wäldern und sie speichern das Wasser. Je nachdem auf welche Art die Natur den Wald oder die ganze Landschaft umschichtet, und die Hochwasser den Boden abtragen oder anlanden, gedeiht entweder eine Hartholzaue vor allem mit Eichen oder eine Weichholzaue. In dieser wiederum dominieren die Silberweiden, Erlen, Eschen, Zitterpappeln und natürlich die Schwarzpappel als ein Charakterbaum des Auwaldes. Ihre mächtigen Stämme mit der tief gefurchten Rinde hat man oft erst später, Jahre nach Rodung und Trockenlegen, abgeholzt, und so durften sie lange noch als Solitärbäume frei auf offener Fläche stehen bleiben. So ist denn auch mancher dieser Riesen heute älter als die ganze Forstwirtschaft. |
|
|
|
alt wurden, erwies man ihnen nicht die nötige Ehre, denn es war die „Verkehrssicherungspflicht“ die als Anlass für eine Fällung diente. Das Ergebnis war immer die Motorsäge, um die Schwarzpappel abzuholzen. So sind in ganz Deutschland von den Schwarzpappeln gerade noch 3000 Alt-Bäume übrig geblieben. Da vielfach die Bastarde als Schwarzpappeln angesehen werden, war es erforderlich, mit der DNA-Analyse erst einmal zu forschen welche Schwarzpappel nun wirklich echt ist und welche ein Bastard. Rarität im Fünfseenland |
|
|
|
|
|
Andererseits sind die Unregelmäßigkeiten in der Wasserführung für die Schwarzpappel eine große Belastung. Normal wäre es, wenn mit der Schneeschmelze das steigende Wasser bei Hochwasser reichlich Nährstoffe herbeiträgt. Gewiss kann man auch ohne die Schwarzpappeln leben, und auch ohne dicke Bäume. Aber dennoch ist es allemal schöner, wenn die Vögel sich durch den von den Bäumen gebotenen Lebensraum herbeilocken lassen und ihrerseits ihr Revier verteidigen oder in das weiche Holz Höhlen klopfen, von denen wiederum andere Tiere profitieren werden. Wald, auch der Wald der Schwarzpappel ist nun einmal mehr als die Summe seiner Bäume. Er bedeutet Miteinander und Füreinander von Pflanzen und Tieren. Heute sterben die meisten aller Bäume unter der Säge, lange ehe sie ihr natürliches Höchstalter erreicht haben. In diesen Nutzwäldern ist es gut, wenn es auch noch Bäume gibt, die nicht dem Menschen dienen, sondern dem Wald und seinen Tieren. Zu denen gehört die Schwarzpappel Ihre alten Bäume sind auch für den profitbesessenen Ökonomen ein Ort besonderer Heiligkeit. Auch dort, wo die Finsternis der ökonomischen Nutzwälder das natürliche Gleichgewicht verdüstert, muss es Bäume geben, die nicht nützlich sein müssen. So lehrt uns dieser Baum des Jahres die Schwarzpappel auch mehr Menschlichkeit, so dass wir nicht nur auf die Mehrung der materiellen Güter bedacht sein müssen. Sie ist ein Baum, der nicht zu unserem Renditedenken passt und dennoch für uns die Luft filtert und reinigt, sonst aber nur eines ist: Seine Wohlfahrtswirkung ist alleine geistiger Art: dieser Baum ist einfach schön. Wolfgang Alexander Bajohr |