Bäume/ Wald: Paterzeller Eibenwald - Zauberwald mit 2000 uralten Eiben
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Dem einzigartigen
Natur-Reservat Paterzeller Eibenwald drohte Gefahr durch die Entnahme |
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Paterzeller Eiben |
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Schier unzerstörbare Lebenskraft im Eibenwald von Paterzell Später hat man die Bäume sogar gezielt ausgerottet. Fuhrleute und Rossknechte beseitigten sie vor allem entlang der Heerstraßen, weil das Gift in den Nadeln der gefressenen Zweige für Pferde tödlich ist, denn schon 0,2-2 g je kg Körpergewicht reichen dafür aus. Ähnlich gefährlich ist es für Menschen. Schweine, Hunde und Katzen vertragen um die 3 g, Rinder, Ziegen und Schafe sogar 10 g. Für alle ist das nur in den Nadeln und im Samenkern enthaltene Taxin hochgiftig, und doch schätzen die Rehe den Leckerbissen Eibe bevorzugt vor anderen Baumarten. Ob sie sich an das Gift gewöhnt haben oder nur soviel essen, dass es ihnen nicht schadet und doch therapeutische Wirkung hat, das wissen wir nicht. Doch nehmen wir an, dass sie mit dem Gift ihre Parasiten los werden. Tatsache ist leider, dass sich der Paterzeller Eibenwald gerade darum über Jahrhunderte hinweg nicht mehr verjüngen konnte. Dann versuchte der Eibenförster von Wessobrunn, der im naturgemäßen Waldbau sehr engagierte Forstmann Kurt Zeimentz die Eibenverjüngung teils mit einem Zaun zu schützen, im anderen Teil aber durch angepasste Wilddichten. Die Praxis zeigt, dass bei einem im Wald verringerten Rehbestand auch hier in Paterzell die Naturverjüngung der Eiben erstmals wieder ohne Zaunschutz nachwachsen kann.
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diesen steilen Hängen lockert sich das oft so dicht verfilzte Gefüge der Buchen- und Tannen-dickichte, so dass sich selbst die Licht liebende Föhre halten kann. Knorrig wenigstens gedeiht dort der Bergahorn, und die Wildkirsche blüht. Weil der Grund hier eine einzige Quelle und meist übernässt ist, aber mit dem Licht Sonnenwärme an den Waldboden kommt, verbinden sich Sonne und Kohlendioxyd mit der triefenden Nässe und lassen reichlich die anfliegenden Eschensamen keimen. Oftmals so dicht, dass man sich ein Rudel Hirsche zum Durchforsten herbeiwünscht. Mehlbeere und Hartriegel, Berberitze und Liguster, Heckenkirsche, Faulbaum und Schneeball sind der Unterwuchs. Dazwischen aber stehen die Eiben in sattgrüner lebensvoller Farbe und zeitweise übersät mit roten saftigen Früchten. Ihr Gezweig ist dicht, knorrig oder vom Specht geringelt der Stamm, zimmetbraun oder grau, gefurcht oder gedrechselt, bei jeder ein anderes knorriges verschlossenes Baumgesicht mit eisenhartem Holz. Manche stehen einzeln, andere fanden sich zusammen zu einem Hain, der still dasteht über dem Hasten und Treiben der Vergänglichkeit. Und viele von ihnen sind älter als alle anderen Bäume in diesem Wald, jener Wald, der schon lange vor den Agilolfingern ein Heiligtum der Natur war und etwas vom Begriff der Ewigkeit ausstrahlt. Gerade 80 ha hat Bayerns bedeutendstes Natur-Reservat. |
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Wälder dieser Art müssen auch in den Mittelgebirgs-Steillagen Schutzwälder sein, allenfalls Plenterwälder oder plenterwaldartig. Denn wenn man bösartige Hangrutschungen vermeiden will, muss man sie als Schutzwald behandeln. Auch der Paterzeller Eibenwald wächst hangwärts in diesen Steillagen weiter oben auf Nagelfluh und talwärts auf dem ständig sich neu bildendem Kalktuff, der auf den Wasser führenden Flinz nur so "aufgeklebt" ist und immer noch wächst. Doch kann auf diesen triefend durchfeuchteten Böden der Wald samt Untergrund leicht ins Rutschen kommen. So verläuft talwärts nicht nur das Wasser, sondern auch der Wald flacher aus, aber ebener wird er damit in den flacheren Lagen nicht, denn der Boden hat sich gefaltet. Leicht ist die beständig noch fortlaufende und Jahrhunderte währende Bodenbewegung des Hangfließens, an den schief stehenden Bäumen zu erkennen. Doch ist die Nahtstelle zwischen wasserdurchlässigem Nagelfluhgestein und dem darunter liegenden Flinz auch der Ursprung des Kalktuffes, auf dem überwiegend der Paterzeller Eibenwald stockt. Dieser vor Wasser triefende Quellhorizont ist die Standortvoraussetzung für diesen Eibenwaldtyp. Bayerns
bedeutendster Wald war eine Zeit lang gefährdet |
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Dieser naturnahe Wald mit all seinen vielen Waldbaumarten war doch durchaus auch Wirtschaftswald, den man Jahrhunderte lang nachhaltig und schonend, nur durch Plentern genutzt hat. Ja man glaubt heute, dass die Mönche gezielt weiter Eibenholz produzierten, das damals mit Gold aufgewogen wurde. Dennoch ist er noch heute, auch bei den Nutzholzarten, voller uralter Bäume, die irgendwann dahinsinken werden. Sie sollen als Totholz zur Freude der Spechte bewusst machen, wie das Werden und Vergehen im Natur-Wald erfolgt. Ein Zusammenbruch in der Klimax-Phase ist hier wie im Urwald geduldet, denn neues Leben folgt als Moderverjüngung in Waldlücken und erweist sich als ein Glücksfall für die heimischen Tiere. Vielleicht der Urwald von morgen, steht er so da, wie ihn die Waldtiere gestalten, die Vögel ihn säen. Erschaffen, um ihnen allen Lebensraum zu sein, ohne dass der Mensch seine begehrlichen Finger nach ihm ausstreckt. Die Vögel, die auf Waldlücken angewiesen sind, arbeiten daran mit, diesen Wald ständig umzugestalten. Soll es ganz natürlich in diesem Naturschutzgebiet zugehen, dann holen sie sich Hilfe und setzen auch auf die großen Pflanzenfresser. Soweit dieser Wald nach teilweisem Umbau und Neuanbau wieder in natürlichere Dimensionen hineinwächst, gibt es künftig keine Probleme mehr, und das ist sicher gut, denn je natürlicher heute der Wald wird, desto schwieriger wird es morgen sein, die Rehe noch zu bejagen. Nur, wo einmal korrigierend der Mensch eingreift, wird er damit weitermachen müssen, denn der Paterzeller Eibenwald ist seit langem ein "Kunstwald" mit echten Bäumen, aber doch Nachfolger jenes einst so schonend genutzten Wirtschaftswaldes und damit ein Gebilde, bei dem man sich auf lange Sicht fragen wird, ob er ein Naturwald bleiben darf. Denn ein Urwald ist er damit noch lange nicht, auch wenn er beinahe so aussieht. Doch ist auch ein naturnaher Wald noch immer ein Nutzwald, denn auch in einem Naturschutzgebiet ist die Forstwirtschaft erlaubt. Aber nicht alle Forstleute neigen zum Gestalten der Natur und überlassen den Wald und seine Tiere gern sich selbst, weil die wechselseitig voneinander abhängig sind. Tiere mögen sich ihren Lebensraum selber schaffen, ob die Eibe das auch kann, bleibt zweifelhaft. Dieser Wald ist nie ein Bauernwald, sondern als Klosterwald ein Herrenwald gewesen, in dem die Eibe nicht einfach so dahinwuchs, sondern behütet und gefördert wurde, vielleicht auch schon in keltischer Zeit. Erst mit der Säkularisation ist der Eibenwald in die Hand des Staates gekommen. Ob es möglich ist, ihn als Naturdenkmal und -reservat so zu erhalten wie er heute dasteht, ist zweifelhaft. Es gibt eben Zweifler, die meinen, dass sich auf alle Eingriffe verzichten lässt. Andere weisen auf den sich ausweitenden Eschenbestand und meinen das genaue Gegenteil. Die kommende Generation wird mehr darüber wissen, ob die künftigen Eibenförster-Generationen mit ihrer Arbeit in diesem Paterzeller Eibenwald etwas dazu tun können oder nicht. Bei der Führung, die kürzlich der Starnberger Forstamtsvorstand hier veranstaltete, gingen 50 Begeisterte mit. Und alle haben die Forstleute bestärkt, dass dieses der Bürgerwald ist, den sich alle wünschen: unrentabel, aber von märchenhafter Schönheit. |
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Normal
braucht die Natur den Menschen nicht, aber manches was wir schön finden
und für Natur halten, ist tatsächlich Menschenwerk. Das könnte auch
beim Eibenwald von Paterzell so sein. Ob dieser Wald vielleicht gar
bewusst als Naturheiligtum entstand? Doch auch die Nutzung hat ihn ganz
sicher mit geprägt, sie hat oft, was der Eibe Konkurrenz war, aus dem Weg
geräumt. Sicher nicht ohne Achtung vor dem, was Wetterspiel und Schöpfung
einst geschaffen haben. |
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Ob es dem großen Trommler oder einem kleinen gehört, ist nicht so wichtig. Der große schwarze Feuerkopf schreit laut sein "Kliäh" in der Frühlingswald, fliegt "priehtpriehtprieht" trillernd kreuz und quer durch den urigen Wald und foppt mich mit seinem Balzspiel. Er klopft nicht nur seine Wohnung in lebende oder tote Stämme, er baut so manche gar nicht erst fertig, gibt sie auf und schafft damit ein Riesenangebot, zusätzlich zu den ausgefaulten Höhlen in den Eiben. Wenn dann der Abend den Wald dampfen lässt, höre ich die ganze Nacht das "Pupu pupu puh" Pupu pupu puh" Pupu pupu puh" des Rauhfußkauzes. Der wiederum muss sich in Acht nehmen vor dem Waldkauz, der laut heulend die Waldwege längs fliegt. Auch der Sperlingskauz jagt hier, doch er bevorzugt den Tag. Und alle diese Eulen sind als Waldlückenbewohner auf einen möglichst natürlichen Dauerwald angewiesen, aber auch auf die Lichtungen, wo man die leckeren Wühlmäuse jagen kann. Der Eibenwald ist auch ein Eulen- und Spechtwald. Denn außer dem Schwarzspecht wohnt hier der Große Buntspecht, der Grau- und der Grünspecht. In der Heckenkirsche tickt das Rotkehlchen, und in den Windwurfböden schmettert der Zaunkönig sein Liebeslied. Die Hohltaube stöhnt und freut sich, dass der Hauptmieter schon wieder eine Höhle freigemacht hat, dabei gibt es hier ohnehin weit mehr Höhlen als anderswo. Alle miteinander sind sie Gäste hier, oft Gäste in den Höhlen der Eiben, die der Efeu umschlingt. Im Eibenwald leben viele Tiere. Vögel und solche, die von ihnen leben, wie der Baummarder. Wo Sonne an den Waldboden kommt, keimt vieles, was schlummernd hätte warten müssen. Für kurze Zeit ist das aber auch ein Paradies für Mäuse, und von denen leben wiederum viele. Doch auch die Spechte finden in diesen kleinen Waldlichtungen mehr Nahrung als im finsteren Waldesdom. Zur Andacht im Eibenwald steuert die Wessobrunner Kirche das Glockengeläut bei, und im Chor singen die Vögel. Ob es nun Frühling ist und blüht, im Sommer kühl, dunkel und still bleibt, oder wenn der Herbst folgt mit bunten Farben - unvergesslich bleiben unsere Erlebnisse im Paterzeller Eibenwald allemal. Er könnte ein Urwald von morgen sein. Ob es den Eibenwald angesichts der einst geplanten massiven Wasserentnahme allerdings in der kommenden Generation noch geben würde, ist äußerst zweifelhaft. Denn das überreichliche Wasserangebot ist die Voraussetzung dieses einzigartigen Standortes, der diese Form eines Eibenwaldes erst hat entstehen lassen. |
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Nur wenn entsprechend der rechtsgültigen NSG-VO weitere Wasserentnahmen unterbleiben, kann wenigstens im kleineren südlichen Teil gegenüber dem bereits geschädigten, weil trocken gefallenen Teil, das ursprüngliche Bild des Eibenwaldes für kommende Generationen erhalten bleiben. Denn der Eibenwald lebt vom Wasser, so rein wie sich uns heute dieser traumhaft schöne Wald offenbart. |
Weitere Informationen zum Paterzeller Eibenwaldes finden Sie unter http://www.albertkollmann.gmxhome.de/Paterzell/PaterzellEibenwald.html