Wald:
Schwanzmeisen im Auwald, "Pfannenstielchen" turnen durch die Zweige
von Wolfgang Alexander Bajohr
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Ihre ungewöhnliche Vertrautheit ist faszinierend. Sie hängen an den dünnsten äußersten Zweigspitzen oft kopfunter und lesen Räupchen, winzige Spinnen und Kerbtiere oder deren Eier ab. An den Traubenkirschen sammeln sie auch die Blattläuse. Die ausfliegenden Jungen sind recht unscheinbar, gräulich und haben noch kurze Schwänzchen. Sie zetern und werden von allen gefüttert. Die Überlebenskünstler sehen aus wie Federbällchen. Der Volksmund nennt sie auch Pfannenstielchen. Sie sind im Winter nicht in den Schwärmen mit anderen Meisen vereint, sondern nur mit Ihresgleichen. Ich habe sie im Herbst als Strichvögel in warmen Anrainerländern genauso beobachtet wie in der klirrenden Kälte des Hochgebirges. Wie schaffen es die Tiere, dass ihr Herz und Kreislauf in kurzer Zeit oft derartige Klimaunterschiede überbrückt? Schwanzmeisen übernachten gemeinsam und eng zusammengedrängt auf einem Ast. Jede sucht ihr warmes Plätzchen eng zusammengedrängt immer zwischen zwei anderen, die schon dasitzen. Je stärker die Tiere sind, desto sicherer ist der begehrte Mittelplatz. Die schwächeren müssen mit den kühleren Außenplätzen vorlieb nehmen, wo sie nur von einer Seite gewärmt werden. Diese sich wärmenden Schlafgemeinschaften gibt es nicht nur im Winter, sondern auch schon in kühlen Sommer-Nächten. Einen gezielten Vogelzug kennen sie nicht, denn es sind Strichvögel, die als Schicksalsgemeinschaft kalte Gegenden verlassen und schneefreie wärmere Gebiete aufsuchen. Aber anders als andere Vogelarten suchen sie Körperkontakt in der Nacht, wobei sich bis zu 100 Vögel zusammenfinden können. Ihr Sozialverhalten als Gemeinschaft will eindeutig den Fortbestand von Tieren der gleichen genetischen Abstammung begünstigen. Sie zeigen ein Sozialverhalten, das fast menschliche Züge hat. Es ist eine sinnvolle Anpassung der Evolution, eine von vielen im Tierreich. |