Starnberger See: Schilfsterben am Starnberger See?uub
| Als Alibi das Bekämpfen anderer Vogelarten, die das Schilf anknabbern, taugt sie jedenfalls nicht. Richtig ist vor allem, dass man es mit dem Ramsarschutzgebiet sehr ernst nehmen muss, denn es geht einfach nicht, dass man die einen Vogelarten schützt, weil man sie als Selbstbestätigung haben will, aber andere gleich nebenan totschießt, weil man das Schilf retten will. Das würde Unruhe für die rastenden Arten bedeuten. Es geht auch nicht an in einem Ramsarschutzgebiet irgendwelchen Vögeln die Eier wegzunehmen oder Gelege zu beschädigen. Der Staat würde unglaubwürdig, wenn er geltendes Recht, in dem Fall also das Jagdgesetz demontiert oder sich über internationale Vereinbarungen hinwegsetzt und sie im Ramsarschutzgebiet missachtet. Ein Staat muss immer als Einheit handeln. |
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Bleibt als Bösewicht die Kanadagans und deren Junge. Sie hat zweifellos
zugenommen, war früher nicht hier und ist somit erst eingewandert als das
Schilfsterben längst im Gange war. Bei intakten Schilfbeständen wäre ihr
Triebverbiss sicher zu verkraften. Es ist aber eine Illusion zu glauben,
dass man sie durch Jagd nennenswert reduzieren könnte, zumal sie im Umland
überall erfolgreich brütet. Bei ihr ist der Zug längst abgefahren, wenn man
sie rückwirkend zum Sündenbock machen will. Immer wenn man einen solchen
braucht, sucht man sich einen Neger, der verantwortlich sein soll, und man
mutet dem Jäger zu, dass er es richten soll. Ökologisch orientierte Jäger
distanzieren sich davon, denn sie wissen, dass der Schaden unter den
Millionen Wintergästen durch Beunruhigung in keinem Verhältnis zum Erfolg
steht. Ich habe auch Zweifel, dass wirkliche Jäger bereit sind sich in die
Rolle des Kammerjägers drängen zu lassen, zumal sie die Prügel vom
Tierschutz nicht einstecken möchten. Hier sind die drei Arten und die
Rohrdommel eingehend beschrieben. Fast alle sind territorial und dann sehr
aggressiv. Sie verteidigen ihr Revier gegen die eigene Art und sorgen schon
selbst damit, dass ihr Bestand nicht in den Himmel wächst. |
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Freizeitnutzung |
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Die
Geschichte unseres Sees beginnt vor etwa 1 Million Jahren am Ende der
„Erdneuzeit“. In mehreren Eiszeiten sank die Durchschnittstemperatur zwar
nur um etwa 5 Grad C. Mit jedem Vorstoß änderte sich das Landschaftsbild.
Mit dem Ende der letzten „Würmeiszeit“ blieb im 5seenland neben anderen
Seen der rund 20 km lange und maximal 4,7 km breite Würmsee =Starnberger See
zurück. Mit einer maximalen Tiefe von 127,8 m unterscheidet er sich
grundlegend von den anderen Seen mit deren großen Flachwasserzonen. Mit
2,998 Mrd. Kubikmeter ist er von allen bayerischen Seen der wasserreichste.
Da er keinen nennenswerten Zufluss hat, wenn man von den Osterseen einmal
absieht, füllt er sich ausschließlich mit Himmelswasser aus einem 314,73
Quadratkilometer großen Einzugsgebiet. Während der Ammersee seine Füllung
in nur 3 Jahren erneuern kann, braucht der Starnberger See dazu im Mittel 21
Jahre. Das aber macht ihn so empfindlich.
Wenn wir nun noch bedenken, dass jedes Gramm Phosphor in der obersten
Wasserschicht des Sees 1 kg Algen wachsen lässt und diese dafür 150 g
Sauerstoff brauchen, wundert uns gar nichts mehr. Denn das ist etwa jene
Menge an Sauerstoff, die im 15 cbm Seewasser gelöst sind. Die
Phosphatbelastung alleine verbraucht also 250 Millionen Kubikmeter
Sauerstoff. Wo die Wiederanreicherung nicht ausreicht, sterben die Lebewesen
früher oder später je nachdem wie viel Sauerstoff sie benötigen. Über die
Einschwemmung von Atrazin, oder dem den Sevesogiften verwandten
Dioxinhaltigen Spritzmittel 2.4.5.T, dem Wirkstoff-Bestandteil in vielen
Pflanzenvernichtungsmitteln, wie sie in Vietnam zur Entlaubung benutzt
wurden, haben wir in dem Zusammenhang noch gar nicht richtig nachgedacht.
Die Zusammenhänge mit dem Schilfsterben sind erkennbar, aber es ist für den
Laien schwierig sie richtig und ebenso zu deuten wie ein Chemiker. Da es
hierbei auch um das Geschäft geht, ist es einfacher andere Verantwortliche
zu finden, eben die Wasservögel. |
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Was aber die Überdüngung des Sees und die Verunreinigung mit Pestiziden angeht, darf es gar keinen Kompromiss geben. Die hierfür geforderte Konsequenz wird auch das Schilf am See wieder gedeihen lassen ohne dass einem Vogel eine Feder gekrümmt werden muss. Denn grundsätzlich hat die Waffe des Jägers in einem Ramsarschutzgebiet nichts zu suchen. Das ist internationaler Standard und eine Verpflichtung für Deutschland, über die sich auch Bayern nicht hinwegsetzen kann. Es könnte auch sein, das man in besonderen Bereichen das Schilf wieder anpflanzt, wenn das Wasser hier wieder sauber genug ist. Wolfgang Alexander Bajohr |