Ammersee/ Starnberger
See/ Maisinger See: Kanadagänse sind Neubürger am Starnberger See
Text und Fotos von Wolfgang Alexander
Bajohr
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Die Kanadagänse am See kamen nicht als Park- und Ziergeflügel, sondern sie kamen, nach den Überlegungen von Erwin Rutschke im Umweg über Schweden von selbst aus dem Norden und sie blieben hier. Möglich ist, das da oder dort regional noch ein Jäger nachgeholfen hat, weil er sich ein Flugwild wünschte, das standorttreu ist. Dafür gibt es Hinweise. Hingegen sind die Rostocker Biologen der Ansicht, dass die deutschen Kanadagänse mit den Schweden nicht verwandt sind. Sie führen die Ausbreitung auf drei bestimmte und näher bekannte Gehege zurück. |
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Die im 17.Jh eingebürgerten Kanadagänse stammten aus den verschiedensten Gebieten Nordamerikas. So war die größere Unterart aus dem Osten ebenso beteiligt wie auch die kleinere Unterart aus dem Norden. Und solche aus anderen Gebieten. Schon diese Gänse haben sich regional in Schottland zu einer Art Promenadenmischung vielfach gekreuzt. Da auch die Herkünfte des sogenannten Ziergeflügels in Deutschland und die Herkünfte der von Jägern ausgesetzten Tiere im Dunklen liegen, ist die Schuldzuweisung schwierig. Eines ist allerdings sicher: der gigantische Zug der Faunenverfälschung bei uns ist längst abgefahren, und wollte man wirklich die Kanadagans wieder loswerden wollen, müsste man in ganz Deutschland ein Massaker anrichten und in den angrenzenden Ländern dazu. |
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Die als sogenanntes Zier- und Parkgeflügel schon im 17. Jahrhundert in England eingebürgerten Kanadagänse, waren dort sehr standorttreu und auch lange Jahre nicht sonderlich erfolgreich. Die Einbürgerung auf dem Kontinent geht auf den Schwedischen Tierfotografen und Ornithologen Bengt Berg zurück, der sie Ende der 20er Jahre in die freie Wildbahn auszusetzen begann. Lange blieb die Vermehrungsrate gering und in den 40er und 50er Jahren waren es erst gegen 150 Paare. Auf den langsamen Anfang folgte eine geradezu explosionsartige Zunahme des Bestandes und so gibt es in Schweden heute eine stabile Population. Sie begann sich trotz der Standorttreue der Vögel auszubreiten. Die Kanadagans wurde zur häufigsten Gänseart in Schweden. Trotz ihrer sprichwörtlichen Standorttreue erschienen die ersten Kanadagänse zu Beginn der 50er Jahre an den Ostseeküsten der DDR, und Anfang der 60er Jahre traten sie dort immer öfter in Erscheinung. Seitdem häufen sich die Meldungen aus ganz Deutschland vom Erscheinen der Vögel, die erst als Wintergast kommen und schließlich gleich da bleiben, wo es ihnen gefällt. In den Flachwasserzonen der Ostsee-Bodden versammelten sich anfangs bis zu 500 Kanadagänse, die schließlich in den strengen schneereichen Wintern 1978/1979 in den Süden der damaligen Bundesrepublik auswichen. Wenn auch ein Teil wieder zurückzieht, ist doch eine zunehmende Zahl hier im Süden und auf dem Starnberger See geblieben. Dass sie sich hier mit Vögeln anderer Herkünfte vermischten ist sehr wahrscheinlich, aber schwer nachzuweisen. Ihre Ausbreitung wurde einmal damit begünstigt, dass die Graugans gerade erst im Begriff war verlorenes Territorium zurück zu gewinnen, aber auch damit, dass sie für die Ernährung eine andere ökologische Nische beanspruchen. |
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Grau- und Kanadagans sind hier Konkurrenten im Lebensraum, aber die damals noch schwache Population der Graugänse war ohnehin keine Konkurrenz. Außerdem gibt es einen wichtigen Unterschied in der Ernährung. Graugänse ernähren sich überwiegend terretristisch, fliegen also auf das Land und weiden bevorzugt auf Kulturflächen, insbesondere auf Wiesen und Äckern. Über das Jahr hinweg scheiden sie daher als Schilffresser von vornherein aus. Erst wenn sie in der Mauser mit den Jungen im Schilf stecken, wird dieses auch verzehrt. Kanadagänse ernähren sich aquatisch. Infolge ihres langen Halses können vor allem die zur größeren Unterart zählenden Vögel Branta canadensis canadensis in Tiefenzonen gründelnd Nahrung aufnehmen, die der Graugans nicht zugänglich ist. Während Graugänse immer viel Grasvegetation und eutrophe Seen bevorzugen, meiden Kanadagänse dichte Graspopulation. Sie zeigen auch weniger Scheu vor Menschen als Graugänse, und für sie sind mehr Brutplätze in Menschennähe sogar ein Vorzug, weil es dort weniger Fressfeinde gibt. Eine klare Erkenntnis, ob sie neben den Unterwasserpflanzen auch noch am Schilf nagen, gibt es bislang nicht. Einige Biologen bezweifeln es. |
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Was in der kurzen Zeit ihrer Anwesenheit am Starnberger See leider noch
keiner erforscht hat, ist ihre Nahrungszusammensetzung und deren Gehalt an
Nähr- oder auch Wirkstoffen genau zu analysieren. Ohne eine solche
Forschung ist es nicht möglich die Kanadagans eindeutig als Schilffresser
zu identifizieren, obwohl es dafür immer wieder
Verdacht gibt. Der wirklich fundierte Nachweis ist durch Forschung
bislang noch nicht gelungen. |
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Statt
dessen wird pauschal über Schilf fressende Wasservögel gewettert, wobei
die sich ganz anders ernährenden Entenarten, Graugans und Schwan, Taucher
und Gänsesäger gleich mit in die Pfanne gehauen werden. Bevor man
Pauschalurteile aus dem Handgelenk ausspricht, ist die Forderung nach
genauer Erforschung nicht zu umgehen. Wer Zufallsbeobachtungen
verallgemeinert, macht sich wissenschaftlich unglaubwürdig. |
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Sinnlos ist es auch kilometerlange kostspielige Zäune zu bauen, die zwar
viel Geld kosten, aber nutzlos sind. |