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Dort wo es am See von Natur aus
vorkommt, wurde es vor allem
durch Menscheneingriff dezimiert. Schilf, das für das Laichen der Fische
ebenso wichtig ist wie als Brutgebiet für Vögel, dient immer wieder als
Vorwand nach dem Jäger zu rufen. Der schweigenden Mehrheit
der Jäger ist das peinlich,
denn sie sehen es nicht als ihre Aufgabe an, die Gänse einzuregulieren, was ohnehin nach der Erfahrung niemals
gelingen kann. Pauschal die „Wasservögel“ anzuschwärzen, ist ohnehin
nicht seriös. Es geht um Kanada- und Graugans. Wenn ein Jäger schon auf
Gänse jagt, dann wird er das weder tun weil sie auf Wiesen
scheißen noch weil sie von der Saat
zupfen. Jäger die jagen, suchen allenfalls
das Naturerlebnis, in diesem Falle das Erlebnis Wildgans.
Vielleicht denkt mancher auch, was ganz natürlich wäre, an einen
leckeren Gänsebraten. |
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Die Gänsejagd ist europaweit umstritten
Aber
auch da ist die Gänsejagd europaweit ins Kreuzfeuer der Öffentlichen
Meinung geraten, denn mittlerweile ist jede Art von Vogeljagd im Visier
der Tier- und Naturschutzverbände in ganz Europa. Die Einstellung gegenüber
Tieren im Allgemeinen und Vögeln im Besonderen, hat sich in den
vergangenen 100 Jahren grundlegend geändert. Ökologische, Naturschutz-
und Tierschutzideologische Betrachtungen sorgen dafür, dass die Vogeljagd
ins Visier geriet.
Alle Staaten der EU, einschließlich der neu hinzukommenden,
drängen auf eine deutliche Eingrenzung der Vogeljagd. Wer sie
betreiben will oder sie fordert, muss sich damit auseinandersetzen. Das
hat eine Anzahl hochrangiger Experten in
einem Seminar im Nürnberger Tierpark veranlasst, den Bogen von der
Bejagung einzelner Arten über die Wechselwirkung im Ökosystem bis hin
zur Ethik abzustecken und die Diskussion fruchtbar anzufachen.
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Wir alle erinnern
uns an Nils Holgersons Gänse, die von der alten erfahrenen Akka von
Kebnekajse angeführt ziehen und auf der letzten Etappe 1000 km in einem
Tag fliegen, ehe sie hier eintreffen.
„Hier bin ich, wo bist du?” Nils Holgerson versteht die Rufe der
ziehenden Gänse. Sie fliegen hinter der Leitgans im Flugkeil
energiesparend und bestätigen einander, dass alles in Ordnung ist und
noch alle Gänse dabei sind. |
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Der Gänse-Kindergarten ist ein Phänomen in der Natur
Die
jungen Gössel werden z.B. am Neusiedler See hinter Wien schon im
Kleinkindalter von alten erfahrenen Gänseeltern adoptiert, die neben
ihren eigenen Jungen die Kinder unerfahrener Eltern mit übernehmen und
durch ihre „Kindergärten” die Überlebenschance erhöhen. Zur Zugzeit
sind die Gössel gerade 3 Monate alt, wenn sie hier eintreffen. Sie
brauchen daher auf dem Zugweg, der ihnen nicht angeboren ist, sondern
erlernt wird, die Führung der Altgänse. Die brauchen sie auch dann noch,
wie Professor Bergmann betonte, im zweiten Winter.
Werden
aus der Schar die führenden Gänse abgeschossen, bedeutet das für die
Schar eine Katastrophe für das Überleben im Winter, und es ist unter den
Gänsen zugleich der Anlass tiefster Trauer, weil die Liebe zwischen Gänsen
ein Leben lang währt. Vor allem die allein den Liegewiesen zuliebe eingeführte
Schusszeit im August ist daher in höchstem Maße verantwortungslos.
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Der Schrotschuss mit Bleimunition am Wasser ist verpönt
Ob
Internationale Vereinbarungen, die
Jagd von 1.11.-15.1. weiterhin erlauben werden, ist höchst zweifelhaft.
Doch lässt sich nicht übersehen, dass Holland und Litauen, aber auch
Niedersachsen die Gänsejagd bereits jetzt total verboten haben. Doch auch
am deutschen Niederrhein haben die Jäger, in einer freiwillige
Vereinbarung mit den Jagdverbänden, auf den Schrotschuss auf Gänse für
alle Zeit verzichtet. Das soll einmal sicherstellen, dass gefährdete
Arten, wie die Zwerggans total geschont bleiben, ebenso aber auch Weißwangen-
und Ringelgänse. Vermieden wird aber auch die Verletzung schlecht oder
versehentlich mit getroffener Vögel, die sonst jämmerlich dahinsiechen
oder an Bleivergiftung im Laufe des Jahres langsam dahinsiechen und
sterben. Bei einem Schuss in eine Schar fliegender Gänse mit Schrot
werden außer der beschossenen Gans fast immer weitere verletzt, obwohl
sie weiterfliegen. Häufig werden unerkannt auch die geschützten Arten
mit angeschossen ohne dass der Schütze das will. Wenn man zumindest den
Schrotschuss auf Gänse verbietet, vermeidet man, dass Blei mit den
Magensteinen aufgenommen wird. Erlaubt bleibt der Schuss mit Kugel und
Zielfernrohr auf den Weihnachtsbraten, denn nur so lässt sich
verantwortungsbewusst jagen. Wir rechnen damit, dass diese Regelung bald
auch in ganz Europa und damit auch für Bayern gilt. Es ist auch
Ehrensache für die Jäger in Bayern, auf die Wasservogeljagd in
Ramsarschutzgebieten freiwillig zumindest in den Schutzzonen und zur
Zugzeit zu verzichten, denn das ist aktiver Gänseschutz.
Freiwillig geht es schneller als durch langwierige Gesetzgebung.
Auch die Landwirtschaft soll künftig nicht mehr für Gänsefraß entschädigt
werden, sondern sie soll eine Beihilfe bekommen, aber nur dann, wenn sie
die Gänse auf ihren Feldern duldet.
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Vertreibungsjagd auf überwinternde Zugvögel ist sinnlos, denn sie
trifft andere
Auf
unseren Seen spielen die Wasservögel für die Sauberhaltung eine wichtige
Rolle, weil sie z.B. 20.000 bis 40.000 Tonnen Biomasse essen und damit
mineralisieren, was sonst verrotten würde und dem Wasser Sauerstoff
entzieht. Verschmutzungsprobleme im Wasser entstehen im Wasser nur dann,
wenn die Wasservögel von Tierfreunden gefüttert werden. Es ist daher
eine wichtige Aufgabe, die Bevölkerung aufzuklären, im Wasser nicht zu füttern.
Erst füttern macht die Gänse zahm und lockt sie auf die Liegewiesen.
Wildtiere halten Distanz zum Menschen. Wer füttert macht Wildtiere zu
Haustieren. Sie halten zwar weniger Abstand, wenn man nicht auf sie schießt.
Aber auch eine Vertreibungsjagd verlagert das Problem nur nach dem
Floriansprinzip von der eigenen Wiese auf die eines Nachbarn, und Gänse,
die man wiederholt aufjagt, brauchen mehr Energie, also mehr Futter als
ruhende. Es ist aber wichtig,
dass die Gänse satt, rund und vollgefressen in ihre Brutgebiete zurückfliegen,
denn nur wenn sie dort sofort mit der Brut beginnen können, schaffen sie
es mit flugfähigen Gösseln schnellstens wieder auf die Reise zu uns zu
gehen. In den Brutgebieten können sie nur eine kurze Zeit verbringen,
denn die meiste Zeit ihres Lebens halten sie sich bei uns auf.
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Denn
zunehmend geht es nicht nur um die Graugans, denn im letzten kalten Winter
haben sich durch geänderte Zugwege deutlich mehr Schwäne als Überwinterer
eingefunden, aber auch große Flüge von Blessgänsen, von Saatgänsen und
vereinzelt auch bereits von den seltene Weißwangengänsen. Die stecken
dann oft mitten in der Schar anderer Arten ohne dass man sie erkennt, wenn
man in die Vollen schießt.
Da
zudem die Beschlüsse der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Arten
einzuhalten sind, ist es dringender denn je aus den Ramsar-Schutzgebieten
zugleich Jagdschutzgebiete zu machen. Sicher ist Jagd nicht der einzige Störfaktor,
aber gerade der Jäger ist es nach seinem Selbstverständnis als Naturschützer
dem eigenen Ansehen schuldig, auf Gänsejagd weitestgehend zu verzichten
und auch die übrigen Wasservögel in den Schutzgebieten nicht zu stören,
eine Forderung, die keine Bevormundung ist, da sie von einsichtigen Jägern
kommt.
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Vertreiben auf Liegewiesen ein Kinderspiel
Für
den, der Gänse auf Liegewiesen nicht dulden möchte, gibt es ein ganz
simples Rezept: Nylon-Schnüre mit Reepschnüren im Zickzack zu
„verwittern”. Diese in etwa 10 cm Höhe über dem Boden gespannten
Schnüre erfüllen die Gänse mit Grausen und sie landen hier gar nicht
erst. Eine simple Methode ist auch, sich den Gänsen nicht mit der Futtertüte
zu nähern, sondern nach er Manier der alten Gänseliesel mit dem Stecken.
Wenn man mit der Weidenrute auf sie eindrischt, gehen sie dorthin, wo
keiner sie scheucht.
Jene
Resolution, die Jagd auf Wasservögel in den Schutzgebieten einzustellen,
entspricht der Regelung in den benachbarten Staaten in Nord- und
Osteuropa, an der wir uns ein Beispiel nehmen können. Die bei uns überwiegend
auftretenden Vögel sind Zugvögel, die Gänse ebenso wie die Schwäne.
Wir können nicht mit dem Finger auf Italiener zeigen, die unser
Rotkehlchen essen und gleichzeitig den Skandinaviern, Litauern oder Polen
ihre Brutvögel totschießen.
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Die
freiwillige Selbstbeschränkung der Jäger ist mehr als ein Zugeständnis
an Ökologie und Artenschutz. Es ist zugleich ein wichtiges Rezept das
angekratzte Image von uns Jägern rund um unsere großen
Seen-Schutzgebiete neu aufzupolieren. Was für die Jäger im Ökologischen
Jagdverband selbstverständlich ist, sollte für die schweigende Mehrheit
aller Jäger ebenso selbstverständlich sein. In anderen Bundesländern,
z.B. in Niedersachsen oder am Niederrhein haben die Jäger uns das
vorgemacht. Man könnte auch Ruhezonen schaffen mit attraktiven Grasarten,
die Gänse lieber essen als Magerrasen. Liegewiesen als Magerasen würden
dann von Gänsen gemieden, denn Kruckenberg hat nachgewiesen, dass gerade
Graugänse auf die Felder gehen. Dafür dass sie Schilf essen, fehlt jeder
wissenschaftliche Nachweis. Es ist vor allem auch darum zweifelhaft, weil
der Kieselsäuregehalt in
dieser Nahrung zu hoch ist. Gras und Saat schmecken einfach besser,
enthalten mehr Eiweiß und Phosphorsäure, und das brauchen die Gänse
halt. Die Gänse sind aber dennoch Schilf-Fresser! |
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Die Gänse sind aber dennoch Schilf-Fresser!
Der bekannte Gänse-Ökologe Kruckenberg schreibt das auch
ganz unmissverständlich: Dass Graugänse das Schilf z.T. erheblich schädigen,
ist gar keine Frage. Das Problem ist nur die von Menschen gemachte Form
konservierenden Naturschutzes, der die natürlichen biologischen Prozesse
im Schutzkonzept außer acht lässt. Pflanzen und Tiere haben sich in
einer wirklich natürlichen Umwelt aufeinander eingestellt und sie haben
sich daraufhin angepasst. Seit vielen Tausenden von Jahren fressen Graugänse
Schilf und dennoch gibt es das Schilf noch immer auf der Welt. Doch
fressen sie das Schilf nicht das ganze Jahr, sondern weil sie mit ihren Gösseln
im Schilf verschwinden müssen, weil sie in der Mauser flugunfähig sind.
Sie vertilgen das Schilf also notgedrungen während der Mauserzeit. Ich
will mir als Jäger nicht vorstellen, wie man eine Jagd auf Graugänse während
der Jungenführung in der Mauserzeit mit dem Jagdgesetz und den
Schonzeiten vereinbaren will. Wer das versuchen möchte, dem wünsche ich
viel Spaß beim Dialog mit den Vogelschutzkomitees.
Schilf-Rückgang - da die Ring-Kanalisation Nährstoff entzieht
Letztlich kann man aber beim Schilffressen der Gänse den
positiven Affekt erkennen, weil alle Seen im Laufe der Zeit verlanden, während
die Graugänse helfen, diesen Prozess zu verzögern. Jeder See hat eine
gewisse Tragkraft. Wenn die Gänse zunehmen bis es kracht, dann vernichten
sie das Schilf und werden ihrerseits aussterben, woraufhin das Schilf
wieder zunimmt. Am Starnberger See hatte man aber diesen Prozess
unterbrochen, denn die Nährstoffe der Kanalisation rannen in den See, und
das Schilf nahm zu. Man baute eine Ring-Kanalisation, die Nährstoffe
nahmen ab und das Schilf geht seither zurück. Wir loben die
Trinkwasserqualität des Sees und wollen aber nicht erkennen, dass die
Ursache der Rückgang der Nährstoffe ist. Die paar Gänse, die in der
Brutzeit mit ihren Jungen im Schilfwald die Halme fressen, verursachen
bestimmt die Abnahme des Schilfes nicht. Es ist an der Zeit, durch ein
positiveres Verhältnis zu den Graugänsen den Vögeln zu helfen. Dazu gehört,
dass man sie in der Zeit der Jungenaufzucht in Ruhe lässt. Es ist aber
auch keine Lösung, die Zugvögel der Nachbarländer, die am See überwintern
abzuknallen, nur weil eine Handvoll Brutvögel im Frühjahr Schilf frisst.
Der Schrotschuss dem Schilf zuliebe ist nicht nur eine schlechte, er ist
aus der Sicht des Jägers gar keine Lösung. Sollte es aber Jäger geben,
die sich Alibigutachten bestellen um dennoch zu schießen, von denen wird
sich jeder anständige Jäger distanzieren,
denn richtig verstandene Jagd ist vor allem die Liebe zu allem Lebendigen,
und dazu gehört auch die Graugans am Starnberger See.
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