Maisinger See: Die Wasserralle, ein seltener und heimlicher Vogel
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Fast 50 Jahre ist es her, seit wir dort auf Stockenten jagen durften. Das Schönste an dieser Wildnis waren aber all die vielen anderen Vögel - vom Teichrohrsänger bis hin zur Zwergrohrdommel. Heute hat sich dort freiwillig ein Biber angesiedelt und fällt Bäume. Das verlandete Altwasser hat man ausgebaggert und damit leider auch das Schilf. Aus der einstigen Wildnis wurde ein Fischwasser. Damals sind wir von der Landseite her am Altwasser entlang geschlichen, denn kurz vor dem Ende steckten gerne die Stockenten im Schilf. In der Schwimmblattzone aber waren meist die Wasserrallen auf Futtersuche. Wenn nun die begehrten Enten aufstanden und die Doppelschüsse erst beim Freund und zuweilen auch bei mir knallten, hat das die Wasserrallen mächtig erschreckt, und es ging im Schilf ein wildes Gequieke los, als würde sich eine Herde Ferkel unterhalten. In das „Rebrebreb“ und „Quak,quakquak“ der Enten mische sich das Quieken der Rallen und der Teichrohrsänger sang dazu. Aber auch wenn wir auf einem der großen Schilfhaufen schliefen, um die Nacht über draußen zu sein und die nächtlichen Stimmen zu hören, wenn der Fuchs bellt und der Waldkauz heult, dann quiekten die Rallen oft die ganze kühle Nacht hindurch. Rallen gab es damals noch überall entlang des Flusses und in bald jedem Altwasser. Manchmal lagen in der Schwimmblattzone auch Blesshühner auf dem Wasser. Sie sind heute noch da, aber die Ralle ist ein seltener bis sehr seltener Vogel geworden. |
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sich, da er versteckt brüten wollte.
Heute dürfen wir nicht mehr am Nest einer Ralle fotografieren, aber da wir
das Bild nun einmal haben, zeige ich es hier, denn es entstand vor 50 Jahren
als Wasserrallen noch relativ häufig waren und in fast allen Altwassern der
Flüsse, in jedem Toteisloch, in vielen der kleinen Tümpel und Seen zu finden
waren. Überall im Voralpenland gab es den Vogel, bis in etwa 860 m Seehöhe.
Genau eine Woche später begegnet uns am Maisinger See-Auslauf, wo wir nach der Rohrdommel spähen, doch noch die Wasserralle. Sehr heimlich huscht sie durch das Schilf, schwimmt auch einmal auf die andere Seite des Baches, und was bemerkenswert ist, sie hat einen Freund dabei, das Grünfüßige Teichhuhn. Die beiden kennen sich eindeutig und treten dauernd zu zweit auf, ja sie fangen ihre Beute an der gleichen Stelle. Mit Nachahmen der Rufe und Locklaute habe ich die Ralle herbeigerufen. Sie steht vor mir, öffnet den Schnabel und antwortet. Sie ruft und quiekt, wie wir es gewohnt waren. Wie viele Paare der Ralle nun hier am See leben, lässt sich auch nicht annähernd abschätzen, da uns zwei Drittel von Ufer und See verborgen bleiben. Das macht aber nichts, denn auch die Rohrdommel war zurückgekehrt und jetzt ist es die Ralle. Wahrscheinlich sind diese beiden Vogelarten nie fort gewesen, sie sind von den Beobachtern einfach übersehen worden. Entdecker wieder einmal W. Borok, und ich konnte mit meinen Bildern bestätigen, dass die Wasserralle wirklich am Maisinger See vorkommt. Ein heimlicher und sehr versteckt lebender Vogel. |
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durchaus, dass sie auch am Maisinger See noch brütet, uns aber bisher
entgangen ist, weil der infrage kommende Teil des Sees sich der Beobachtung
entzieht, und in anderen Gebieten ist es ähnlich. Hoffnung steht hinter
dieser Vermutung. Bei der Balz rufen die Männchen mit dem schon beschriebenen Ferkelquieken, beugen den Kopf und den Schnabel abwärts und deuten damit auf die schiefergraue Brust. Sie heben beide Flügel leicht an, lassen sie zwischendurch wieder hängen. Sie kippen das kurze Schwänzchen keck hoch und drehen sich mit Trippelschritten im Kreise, Das Nest legen sie sehr versteckt an und legen dann bis zu 12 Eier, die sie wahrscheinlich vom letzten an bebrüten, denn die Jungen schlüpfen alle fast gleichzeitig nach rund 3 Brutwochen. Flügge werden sie mit 7-8 Wochen. Vögel, die auf den Zug gehen, fliegen aus Gründen der Sicherheit vor allem in der Nacht. Auch Blesshuhn und Teichhuhn reisen in der Nacht. Ebenso wie sie, brauchen Rallen einen langen Anlauf, um in die Luft zu kommen. Dann aber sind sie schnelle und rasante Flieger, die aber leider keine Blindfluggeräte haben. Eines hat sich gegenüber früher geändert, das ist die verdrahtete Landschaft mit Zäunen, die den Tieffliegern gefährlich werden, Hochspannungen und Telefonleitungen, die schnellen Fliegern in der Nacht zum Verhängnis werden können. Das dürfte wahrscheinlich des Rätsels Lösung sein und den Rückgang dieser Vogelart erklären, die zu den ziehenden Arten gehört. |
| Quer plätschert ein kleiner Bach durch das Gelände. Links unter einem Steg ist das Wasser offen, dann folgen bachabwärts einige Meter Eisdecke und dann ist wieder das Wasser offen, denn eine spezielle Futterstelle für Eisvogel und die Ralle wird frei gehalten. Es ist eiskalt, das Thermometer zeigt –18°C und ebenso kalt ist auch das Eis. Nur im offenen Wasser ist es wärmer, denn wenn es nicht über Null Grad hätte, wäre es nicht offen. Hier zeigt die Ralle wie winterhart sie ist. |
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Im offenen Wasser ist es am wärmsten, auf dem Eis bekommt sie so kalte Füße, dass sie während des Laufens niedersitzt, um erst einmal ihre kalten Füße im Gefieder zu wärmen, ehe sie weiterläuft. Das alles sind nur kurze Augenblicke, in denen ich fotografieren kann. Nicht alle Bilder sind brauchbar, denn die Kamera oder deren Batterie bockt in der Kälte. Ich wähle darum nur wenige Bilder aus, die ich hier zeigen will. Auf dem Eis hat wohl noch nie jemand eine Wasserralle in freier Wildbahn fotografiert. Im Sommer steckt sie ja immer fast unsichtbar in der Vegetation. An der Futterstelle hat sie einige winzige Fische gefangen und einige Fetthaferflocken aufgepickt, die Amseln dort zerstreut haben. Die normale Nahrung, die eine Ralle sonst fängt, sind Kaulquappen und Frösche, Molche und Libellenlarven, Köcherfliegenlarven, Ringel- und Regenwürmer, Käfer und deren Larven, aber auch kleine Schnecken und allerlei Sämereien, die auf dem Wasser treiben. Viele Lebensräume der Ralle sind mit dem Absenken des Grundwasserspiegels heute zu trocken geworden. Helfen könnte ihr die Wiedervernässung solcher Lebensräume, wie sie z.B. im Ampermoos geplant und gefordert wurde. Wo es rundum am Wasser zu trocken ist, sollte sie wenigstens Verlandungsflächen, also ein feuchtes Watt vorfinden, wie im Delta der Ammer, wo das Wasser Sedimente aufschüttet, die schlammig sind. Solche schlammigen Stellen, die sich nach Nahrung durchschnattern lassen, gibt es aber auch überall an den Ufern der Bäche. Die Wasserralle hat aber auch einen guten Freund, der fleißig ist und Lebensräume für sie schafft. Er staut Bäche auf und schafft Feuchtgebiete, solange man es ihm gestattet: das ist der Biber. Wolfgang Alexander Bajohr |