Maisinger See: Graureiher
Hier
sind Graureiher
(Ardea cinerea) als Gäste willkommen!!!
Doch an anderer Stelle werden in Bayern pro Jahr 4640 Graureiher aus
„Futterneid“ erschossen
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Mit schwerem Flügelschlag doch trägem Flug gleitet von dem anliegenden Wald herab ein Reiher über das Moor. Seinen Hals trägt er anmutig wie ein großes S. Er segelt herab, stellt die Schwingen gegen den Wind und stemmt die langen Beine vor, und seine langen fingerigen Zehen streifen das aufgischtende Wasser, tauchen ein und wieder steht am Schilfrand, bis zum Bauch eingetaucht, ein Reiher vor der Schilfwand. Das ganze Jahr über sehen wir die Reiher als Gäste dort stehen und fischen. Sie kommen irgendwo im Wald von einem Einzelhorst oder von der kleinen Kolonie. Sie suchen hier Futter für ihre Jungen, niemand verwehrt ihnen das, und ihre Zahl ist seit Jahren klein geblieben. Es sind die Hausreiher vom Maisinger See. Sie werden von allen geduldet, vom Eigentümer ebenso wie auch von den Jägern, denn hier wird auf Reiher nicht geschossen. |
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Das war der
Anfang für den großen Krieg gegen alles was dem Menschen Fische wegfrisst.
So hat man damals den „Fischereischädling“ erfunden. Doch bis zum heutigen
Tag sind die Jäger nicht sonderlich am Reiher interessiert. Es waren immer
wieder die Fisch-Interessen, die dem Reiher den Bissen in den Mund gezählt
haben. Es waren einige unter den Fischern, die eigens den Jagdschein
machten, weil sie Reiher bekämpfen wollten. Sie erfanden damals den auch bei
ihnen heute verpönten Abschuss aus dem Horst. Sie kamen nachts, um in der
Früh schon dort zu sein und sie schossen die alten und jungen Vögel
gnadenlos aus ihren Nestern. |
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Sie wirken immer etwas unordentlich und sperrig. Aber sie sind stabil und fest gebaut. Schon Anfang April liegen die hellblauen Eier darin, die etwas größer sind als Hühnereier. Drei Wochen später finden wir die Eischalen auf dem Waldboden. Schalen, die uns anzeigen, dass die Jungen geschlüpft sind. Die Zweige oben in den Bäumen sind mittlerweile weiß getüncht. Diese nährstoffreiche Düngung lässt unter den Horsten viele Pflanzen gedeihen und blühen, besonders aber die Große Brennnessel. Jetzt müssen die Reihereltern viel arbeiten, abwechselnd im Nest 3 bis 4, manchmal sogar 5 Junge füttern. Unermüdlich schleppen sie Beute herbei: Heuschrecken, Fische, Mäuse, Maulwürfe, Frösche und Ratten. |
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Ringeltauben und Hohltauben rufen in den alten Bäumen, bleiben aber unsichtbar. Die Singdrossel schmettert, Mönchsgrasmücken zwitschern ihr Flötenlied. Kolkraben wollen ihren Anteil an der Beute. Bachstelzen sind Untermieter im Horst. Nicht weit weg vom Maisinger See hört man das Stimmengewirr der Graugänse, das tiefe Quaken der Tafelenten, und das alles übertönt das tiefe „GruGru“ der Haubentaucher. Hoch vom Firmament ruft „Piäh“ der kreisende Bussard. In der Kolonie aber schnattern die Jungen und Krächzen die alten Reiher. Wenn sie von der Futtersuche zurückkommen, beginnen die Jungen mit einem infernalischen Geschrei. Sie verbeugen sich bettelnd vor dem Altvogel, packen ihn beim Schnabel, und bettelnd flattern sie, immer wieder zupackend, bis der Alte die Beute herauswürgt, dass sie teils in |
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das Nest, teils auch daneben fällt und auf den Waldboden herabpurzelt. Dort aber ist Mutter Feline aus der Familie Reinecke heilfroh über die Nachlese, die sie halten kann, denn in ihrem Bau warten die hungrigen Jungen. Die bekommen die Beute aus der Reiherkolonie und manches Mal auch einen kleinen Reiher, der abgestürzt ist. Wenn die 3. Woche um ist und die Flügelfedern aus den Kielen springen, wagen sich die Jungreiher auf den Rand der Horste, klettern auf die seitlichen dünnen Zweige und schlagen mit den Flügeln, um die Muskeln zu stärken, denn bald werden sie starten, in das Leben hinaus. Sie recken die langen dünnen Hälse, die sie den heranrudernden Alten entgegenstrecken. Heiser schnatternd gieren sie nach dem Futter. Wenn der Juli ins Land kommt, wird es leer sein in den Horsten. Die Jungen wie die Alten stehen am Schilfrand, aber nicht mehr lange. Sie halten Distanz zu den Menschen, versammeln sich und verlassen gar bald dieses Land, um dem Winter auszuweichen. Sie fliegen mindestens zu den westlichen Nachbarn an Mittelmeer und Atlantik, wenn das Wetter es erfordert auch über das Mittelmeer hinweg und nach Afrika. Mit Vogelringen erforschte man das. Ich war gerade 19 Jahre alt, da wollte ich die Jungen beringen. Ich bin hinaufgeklettert zu den Reihern ganz hoch oben in den dünnen Ästen. Es war eine mörderische Tour mit den Steigeisen, aber ich habe es geschafft und was ich lernte, werde ich nie vergessen, denn die 5 Jungreiher, die mir mit ihren spitzen Schnäbeln die Hände zerhackten, sind nicht alt geworden. Innerhalb eines einzigen Jahres sind alle 5 Jungreiher abgeschossen und zurückgemeldet worden. Ich habe also lernen müssen, dass alle Reiher die von uns wegziehen in den Nachbarländern genauso gefährdet sind und geschossen werden wie bei uns die Wintergäste von Norden und Osten. |
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trotz aller Proteste doch wieder eine Schusszeit eingeführt haben, nannte man das „Ausnahme-Genehmigung“ und gestattete von Mitte September bis Ende Oktober in eingezäunten Fischzuchtanlagen und bis 200 m im Umkreis den „Vergrämungsabschuss“. Vögel wissen aber nicht was „Tod“ bedeutet, sie fliehen allenfalls, weil es knallt. Auch wenn ich Verständnis habe, dass man in einem Betrieb, der Fische produziert, wirtschaftlich denken muss und nicht Fische füttern will, die Fischesser herausholen. Auch wenn man keine Fische essenden Tiere haben möchte, ist der Abschuss keine gute Lösung, weil die Erfahrung zu sterben genetisch nicht verankert wird und damit nicht weitergegeben werden kann. Die Tendenz mit dem Abschuss Dampf abzulassen ist aber steigend, obwohl der Knall alleine den gleichen Effekt hätte. Eine Landtagsanfrage ging den Zahlen nach, dem Bestand genauso wie dem Abschuss, doch nach einer Zeit-Lücke in der Statistik müssen wir die Zahlen jetzt erneut vergleichen. Tröstlich ist alleine die Erkenntnis, dass hier bei uns im 5-seenland mit den Reihern verhältnismäßig glimpflich umgegangen wird. Am Maisinger See und anderen Öffentlichen Gewässern wird auf Reiher gar nicht geschossen. Dieser See ist ein offenes Fischgewässer in einem Naturschutzgebiet, er ist also keine eingezäunte Fischzuchtanlage. Rätselhaft ist aber, dass trotz des Anstiegs der Abschüsse der Bestand örtlich ansteigt. In Gebieten wie die Oberpfalz und Mittelfranken blieb die Zahl der Brutpaare trotz der Abschüsse unverändert, in Unterfranken ging der Bestand deutlich zurück |
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Zugvögel abschießen. Alle unsere Reiherabschüsse treffen ausschließlich Gastvögel, also Zugvögel und damit die Überwinterer aus Nordost- und Osteuropa. Strenge Winter oder Abschüsse können so viele Vögel reduzieren wie sie wollen, man nimmt es bei uns nicht zur Kenntnis. Unsere Art von Jagd auf Graureiher ist für Biologen unverständlich, und Stefan Kluth von der Vogelschutzwarte schreibt im „Brutatlas der Vögel in Bayern“ folgendes: „Die seit 1983 bestehende regionale Ausnahmeregelung kann nicht mehr als Ausnahmeregelung gesehen werden. Die Abschüsse verfehlen ihr Ziel, weil die damit angestrebte Dezimierung der Brutvögel der Brutpopulation nicht erreicht wird. Die Ausnahmeregelung sollte daher aufgegeben oder so modifiziert werden, dass Abschüsse nur bei nachgewiesenen erheblichen fischregulierenden Schäden genehmigt werden können.“ |
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An den Jägern liegt es also nicht. Aber wir müssen uns etwas einfallen lassen, denn der Graureiher, einstmals Hochwild der Könige, ist zu schade um wie eine Wanderratte behandelt zu werden. Anders als Kormorane, die nicht schmecken, gilt Reiherbrust als Delikatesse. Da der Reiher aber ein Endglied der Nahrungskette ist, steckt er voller chemischer Rückstände. Zu bezweifeln ist also, dass es sonderlich gesund sein kann, wenn man Reiher auf die Speisetafel holt. Jagd ist aber nur dann waidgerecht, wenn das erlegte Wild auch verwertet wird. Das ist aus diesem Grund aber infrage gestellt. Bei allem Verständnis dafür, dass man Graureiher in einer Fischzucht nicht haben will, den Kormoran aber ebenfalls nicht, sollte man über andere Schutzmöglichkeiten nachdenken. In keinem Fall dürfen wir mit Pulver und Blei auf die Naturgüter unserer Nachbarn losgehen. Zudem werden alleine schon durch die beunruhigenden Schüsse Rohrdommeln, der äußerst empfindliche Purpurreiher und der im Rahmen der Klimaveränderung langsam heimisch werdende Silberreiher durch die Abschüsse extrem gefährdet. Die Graureiher als Gäste zu betrachten und als großartiges Naturerlebnis, ist ganz sicher der bessere Weg. Wolfgang Alexander Bajohr |