Im Jahreslauf/ Eulen: Der Vogel des Jahres 2005, Uhu hautnah erlebt
| Der Uhu ist also noch längst
nicht über den Berg, aber an ihm und dem Lebensraum liegt es also nicht,
wenn es in den letzten Jahren wieder abwärts ging mit dem erholten
Bestand. Darum ist er jetzt
wieder ein Vogel des Jahres. Eine Nacht ist voller Leben, auch wenn auf den Hängen und Felsen noch Schnee liegt. Es war die Zeit der Uhu-Balz, als ich im Krankenbett meine operierte Hüfte ausheilte. |
| Über die Steilhänge habe ich die schwere Kamera und das Stativ geschleppt und durch eine winzige Lücke im Buchendickicht den Horst mit der großen Digitalkamera angepeilt. Das war unbedenklich. Gleich nebenan übten die Kletterer und ich war für die Vögel auf dem Wanderweg unsichtbar. Aber solange es hell war, rührte sich oben nichts. Der Hang einer Erdrutschschneise sorgte für natürliche Sicherheit, dass niemand näher heran konnte. Vielleicht konnte man die Neugier mit dem Lockruf eines Artgenossen wecken, damit Alt oder Jung einige Schritte an den Rand kommt? Ich war aus der nahe gelegenen Klinik von der Nachuntersuchung meiner Operation gekommen, ging mit Krücken und schonte das operierte Bein noch mächtig. Aber ich musste zum Uhu. Stunden verharrte ich und dann kam mir ein Gedanke. Ich rief den Uhu-Ruf. |
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Dort saß er also und behielt den lieben langen Tag seinen
Horst und das Junge im Auge. Gespenstisch wie knochige Finger ragten Äste
eines abgestorbenen Baumes in den Himmel. Zu sehen war nichts. Jetzt kam
der Rufer in Fahrt. Er rief 5 mal, und in der Ferne antwortete wieder der
zweite Vogel. Beide riefen abwechselnd, sie machten dazwischen mehrere
Sekunden Pause, riefen wieder
und wieder. Jetzt hörte ich nur noch zu und war verzaubert von den
singenden beiden Uhus. Denn
das war wohl klar, dass die beiden rufenden Uhus sich nicht nur kannten,
und ihr Rufen ein Dialog war. Jener in
der Ferne lag einen Terz höher, es klang wie“ buhu, buh oh, Buh oh. Sie
riefen wohl eine dreiviertel Stunde lang und sich stand und war
verzaubert. Es war der laue Abend an einem Mai-Tag. Noch nie hatte ich
Uhus so anhaltend rufen hören. |
| Ein Revier
abzugrenzen haben sie nicht nötig, denn sie streichen zigeunernd bald
hier oder dort herum, und man kann ihnen überall im nächtlichen Wald begegnen oder auch
nicht, denn nachts ist
im Wald nur der Jäger oder der auf den Uhu spezialisierte Vogelfreund
unterwegs.
Der Uhu ist gegenüber dem Menschen wenig scheu. Doch wer ihn beobachten will, der wählt dazu am besten Horste in Menschennähe. Trotz seiner Menschenfreundlichkeit kann er Kletterer in der Horstwand nicht ausstehen, und wir haben damals im Altmühltal einige Kletterer dringend gebeten, nicht in der Horstwand zu klettern. Dafür haben fast immer die Alpenvereinsmitglieder Verständnis gezeigt, denn das Verhältnis zwischen den Uhu-Schützern und dem Alpenverein ist entspannt, seit Artenschützer Lanz vom LBV mit den Kletterern gesprochen hat. Sie helfen ihm auch bei der Beringung, und sie nehmen Rücksicht auf die Horstwände. So geht von dieser Seite keine Gefahr mehr aus. Tierfotografen könnten schon zum Problem werden, wenn sie zu nahe an den Uhu heranrücken. Ich erinnere mich noch an den Uhu, der sich vor 40 Jahren als meine Bilder entstanden, auf mein Versteckzelt setzte, in dem ich saß und erst am Morgen ist er zum Horst hinüber gestrichen. Im Zeitalter großer und langer Brennweiten und der Digitalkameras hat heute niemand mehr nötig, dem Uhu zu nahe auf den Balg zu rücken. Ein davon streichender Uhu ist ein hinreißender Anblick, denn mit 1,7 m Flügelspannweite ist er schon ein gewaltiger Vogel. Doch er fliegt nicht nur nachts, sondern er ist auch tagsüber unterwegs. Er sitzt vor seiner Warte oder der Bruthöhle und schaut mit Augen, die aussehen wie Teetassen. Beim Brüten kneift er sie meist zu, um nicht gesehen zu werden. Wenn es dann noch schneit, lässt er sich einfach zuschneien, was auch die Bilder zeigen. |
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Oder sie stoßen mit Hochgeschwindigkeitszügen zusammen, wenn sie auf Bahnstrecken jagen. Er ist heute wieder in einer Krise, die mit wachsendem Verständnis überwunden werden muss. Dann wären seine Zukunftsaussichten sicher besser als sie es heute sind. Hoffen wir, dass er an immer mehr Orten in der Dämmerung mit seinem dumpfen „Buhu“ verkündet, dass ein uns anvertrautes Mitgeschöpf zurück ist, damit wir es für kommende Generationen erhalten. |
Uhu-Dämmerung Kurz-Biologie: Uhu, Bubo bubo Der Uhu ist die größte Eule in Europa. Wenn man in seine riesigen bernsteingelben Augen blickt, hinterlässt das bei jedermann einen gewaltigen Eindruck, alleine schon bedingt durch Größe und Ausdruck der Augen. Eine Million Sehzellen in der Netzhaut ermöglichen ihm auch bei geringstem Licht zu jagen. Den Kopf kann er allseits um 270 Grad drehen. Sich selbst kann er durch aufplustern des bräunlich marmorierten Gefieders noch wirkungsvoller machen. Auffallend sind die Federohren. Das Männchen misst 63-68 cm und das größere Weibchen 67-73 cm. Das Männchen wiegt 1700-2100 g und das Weibchen 2200-3000 g. Die Flügelspannbreite beim Männchen beträgt 160 cm, beim Weibchen 170 cm. |
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Nahrung: Alle Vögel bis zum Eigengewicht des Uhu, also auch alle kleineren Eulen anderer Arten werden gejagd, sowie Säugetiere bis zur Größe von Fuchs oder Rehkitz, Hauskatzen, Fische. Manche spezialisieren sich auf Igel, die leicht zu erbeuten sind. |
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In Europa sind Uhu-Bestände in allen Staaten rückläufig. Aufwärts geht es überall dort, wo man eingebürgert hat - und auch die Horste im Auge behält. Selbst in Ländern mit optimal geeigneten Felsklippen, ist er ein typischer Vertreter der roten Liste, weil er entweder bei der Brut gestört oder sogar als Schädling verfolgt oder ausgehorstet und an uns verkauft wird Wolfgang Alexander Bajohr |