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Das mag an seinen
Futterwünschen liegen. Obwohl er auch gerne Haselnüsse schluckt um sie
später, irgendwo verborgen in den Baumkronen, zu knacken und zu
verzehren, schluckt er sonst seine Lieblingsbeute die Nüsschen aus den
Zirbelkieferzapfen. Die klemmt er in die rauhe Rinde ein, um dann die Nüsschen
hervorzuhacken und zu verschlucken. Danach fliegt er zuweilen 10 km weit,
meint dass er keinen Hunger hat und verbirgt darum seine Beute von 1 bis
14 Zirbelnüsschen in einem Versteck im Boden. Nicht immer findet er sie
später wieder, und so grünt eines Tages eine Zirbe dort, wohin kein
Mensch die Pflanzen auf den Berg hinaufgeschleppt hätte. Der Tannenhäher
pflanzt den Zirbenwald, und wenn es den Häher
nicht gäbe, dann müsste er erfunden werden, denn die Zirbe wäre
längst ausgestorben, so begehrt ist sie als Möbelholz und so
widerstandsfähig gegen rauhe Winde und Kälte bis
-40° ist sie ebenfalls. Doch ist der Vogel auch mit Haselnüssen
zufrieden, nimmt Käfer, Schnecken,
Würmer und allerlei Wildfrüchte.
Auch wenn ihm die Zirbe
die liebste ist, bewohnt er doch auch den Lärchen- und Fichtenbergwald,
kurzum alle Nadelwälder im Gebirge, die der Tannenhäher natürlich
gleichfalls pflanzt. Bei meinen Bemühungen am Hörnle ihn herbeizufüttern,
staunte ich nicht schlecht, dass Tannenhäher dort so verwöhnt sind, dass
sie nur noch Käse und Würstchen schlucken, gnädiger Weise auch einmal
Semmel und Brezel. Das haben sie wohl den Alpendohlen abgeschaut, die als
Wursthautadler alles essen.
Vor allem aber bleibt
der Tannenhäher ein Vogel der Hochlagen, wo sie im Herbst am schönsten
sind und sich jedes Jahr ein buntes Naturschauspiel wiederholt, wenn die Lärchen
sich gelb und orange schmücken und vor den sattgrünen Zirben und
strahlend blauem Himmel den Herbst empfangen. Doch auch im Sommer ist der
Tannenhäher Lebensraum bunt. Die purpurne Alpenrosenheide, im locker
stehenden Wald das Unterholz, schmückt sich im Juni in unvorstellbarer
Pracht. Der Weidewald mit seinen Grasmatten im Lärchenwald leuchtet von
sattblauem Stengellosem Enzian, Alpenanemonen in gelb und weiß, violett
aber füllt ganze Hänge die Frühlingsküchenschelle. An manchen Stellen
gibt es Wiesen voll gelber Arnika,
an anderen voller Orchideen: Händelwurz, Orchis morio oder geflecktes
Knabenkraut und Kegelorchis. Im Laufe der Jahrhunderte hat der Mensch die
Waldgrenze um 400 m herabgerückt und diesen offenen Lebensraum im
Bergwald geschaffen, in dem der Auerhahn und der Spielhahn die Preißel-
und Heidelbeeren finden, und auf die Ameisenburg noch Sonne scheint. Hier
findet auch die Ringamsel ihre Singwarten, Mistel- und Singdrossel
schmettern ihr Lied. Neben der Schneeheide blüht im Hochsommer Besenheide,
und wo der Wald zurückweicht, bestimmtem Bartflechten und Wolfsflechte
das Geschehen.
Sie sind alle Waldlückenbewohner,
der Tannenhäher ebenso wie auch der Schwarz- und Dreizehenspecht. Nur wo
die Sonne an den Boden findet, gibt es viele Ameisen und Heuhüpfer, aber
auch viele viele andere
Insektenarten. Dort tummelt sich die Alpenwühlmaus, gejagt vom Mauswiesel
und von den kleinen Eulen Sperlingskauz und Rauhfußkauz. Dort suchen und
finden sie Sämereien der Gräser, die
Birkenzeisige und der
Zitronengirlitz. Doch der
auffälligste Vogel ist und bleibt im Bergwald der vorlaute Tannenhäher,
wenn er sich krächzend in den Bäumen im Fallflug verklüftet und
abstreicht.
Seine Brutzeit weiß er
so einzurichten, dass er im März zu brüten beginnt. Das Nest ist, ähnlich
wie bei der Amsel mit Erde verstärkt, irgendwo nahe am Stamm auf der dem
Wetter abgewandten Seite. Die 2-5 weißen bis bläulichen braun gefleckten
Eier werden vom ersten Ei an 17-19 Tage bebrütet. Wenn die Jungen schlüpfen,
ist Erntezeit in den Zirben. Mit 21-28 Tagen brauchen sie lange ehe sie flügge
werden. Und da die Eltern die Jungen führen, ist schließlich eine ganze
Tannenhäherschar im Bergwald unterwegs, um zu arbeiten und die neue
Zirbengeneration zu pflanzen.
Unser einheimischer
Tannenhäher hat noch einen Vetter, der kommt aus Sibirien und
Nordskandinavien, hat einen schlankeren Schnabel, ist weniger gefleckt und
hat weißere Steuerfedern. Doch nur wenn es im Nordosten bitterkalt wird,
kommt er invasionsartig zu uns, um hier zu
überwintern.
Wolfgang Alexander
Bajohr |







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