Im Jahreslauf: Siebenschläfer
toben die ganze Nacht,
lustige
Kobolde im naturnahen Obstgarten
von Wolfgang Alexander Bajohr
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Mit ihrem schlechten Ruf als Wetterverderber aber leben die putzigen Siebenschläfer recht gut. Ihr Name kommt eben nicht von ungefähr, denn im Tierreich gehört der Siebenschläfer, (Glis glis) zu den ganz großen Schlafmützen. Zwischen Mitte September und Ende Oktober buddeln sich die vollgefressenen Burschen in einer Erdhöhle ein und beginnen mit ihrem ausgiebigen Winterschlaf, der 7-8 Monate dauert. Da sind sie in guter Gesellschaft mit anderen, der Haselmaus, dem Garten- und Baumschläfer und dem Murmeltier. Mit dem
Erwachen lassen sich die putzigen Kerlchen erstaunlich viel Zeit. Erst
wenn längst fast alles in voller Blüte steht, im Mai oder Juni, werden
sie munter. Wo das erst nach 8 Monaten der Fall ist, sollte man ihn
umtaufen in Achtschläfer. Aber welch erbärmlichen Eindruck machen sie
jetzt! Die Fettpolster haben sie aufgezehrt und das sonst so weiche und glänzende
graue, am Bauch weiße Fell, ist rau und ruppig geworden. |
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Das anhaltende Nagen macht sie zur Nervensäge für schlafbedürftige Menschen, denn ihre Heimarbeit veranstalten sie nur nachts. Manche Leute gehen ihnen deshalb mit der Lebendfalle ans Fell und setzen sie dann im Wald wieder aus. in einer Jagdhütte fingen sich innerhalb von zwei Jahren 26 Siebenschläfer und in einem Haus am, Waldrand waren es gar 66 in drei Jahren! Natürlich hat den putziger. Tierchen niemand etwas Böses angetan, denn sie stehen unter Naturschutz. Deshalb hat man sie weit entfernt im Wald, ja auf der anderen Seite eines Flusses wieder ausgesetzt. Vergebene Liebesmühe war das, denn die hartnäckigen Tierchen sind ins angestammte Paradies schnurstracks zurückgewandert, ja sie haben sogar den Fluss durchschwommen um heimzukehren, weil sie offensichtlich ihre Heimat lieben. Vom Zentrum ihres Reviers entfernen sich, nach den Untersuchungen des englischen Zoologen Pat Morris die Weibchen gerade mal 120 Meter, die Männchen höchstens 500 Meter weit. Darum sind alle ihre Vorkommen stets sehr lokal begrenzt, und selbst in geeignete Lebensräume hinein breiten sie sich, nur sehr langsam aus. Die natürliche Populationsdichte in nahrungsreicher Umgebung liegt bei drei bis sieben Tieren pro Hektar. Ihr
sommerlicher Lebensraum sind die Baumwipfel Es
fragt sich nur, was der putzige Bilch nach dem Aufwachen im späten Frühling
auf der Speisekarte hat. Weder Bucheckern noch Eicheln, weder Wildfrüchte
noch Gartenobst stehen jetzt zur Verfügung. Andererseits hat der
abgemagerte Siebenschläfer nun einen gewaltigen Hunger, und den kann er
nur mit Blättern, Blatt- und Blütenknospen stillen. Liebe
und Fortpflanzung Nacht für Nacht nimmt die Erregung zu, und schließlich beginnt das große lautstarke Anschmachten. Der Liebesschrei der Siebenschläfer ähnelt dem scharfen Pfiff der Steinkäuze. sitzt sie bei ihm, dann schreit sie mit. Hockt sie einsam auf einem anderen Baum, dann antwortet sie ihm sehnsüchtig. Will er sich ihr aber mit eindeutigen Absichten nähern, bezieht er erst einmal Prügel. Kein Wunder, dass er es zwischendurch auch mal bei einer anderen Braut versucht. Vor allem, weil die Männchen ohnehin in der Minderzahl sind. Aber seltsam, hat er von der Xanthippe mal die Nase voll und wendet sich ab, rennt prompt sie hinter ihm her. Im Sommer ist es endlich soweit. Sie lässt ihn aufreiten, und dann beginnt eine rege Bautätigkeit. Die werdenden Mütter sondern sich mehr und mehr von der Verwandtschaft ab, polstern das Nest in ihrer Baumhöhle mit Blättern sorgsam aus und verwehren den bedauernswerten Vätern immer häufiger mit ratterndem Gebiss und zänkischem Fauchen das familiäre Beisammensein. Er muss jetzt die Nächte alleine verbringen und sich eine andere Höhle suchen, falls es die in der Gegend überhaupt noch gibt. |
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Ab
ins Kuschelbett zum Winterschlaf Die
Zahl der Atemzüge sinkt von 50 auf einen bis drei pro Minute, und
manchmal bleibt der Bilch bis zu 50 Minuten buchstäblich atemlos. Die
Herzschläge gehen von 200 auf 15 pro Minute zurück. Die Körpertemperatur
erreicht ihren kritischen Tiefstand bei 0,2 Grad - dann wachen die Bilche
auf. Die Aktivität, die sie dann entfalten müssen, um sich zu erwärmen,
kostet allerdings viel Energie, die aus der Fettreserve bezogen wird. Der
Winterschlaf dauert aber auch ohne starke Kälteeinbrüche nicht
kontinuierlich jene 7 bis 8 Monate. Der Gießener Zoologe Professor Dr.
Hein Scherf hat festgestellt, dass die Schlaflethargie von spontanen
Wachphasen abgelöst wird. Die längsten Schlafperioden, schreibt er, lägen
in der Mitte des Winters. Als
Leckerbissen gebraten Zur Biologie |