Wald:
Sind die Hasen noch zu
retten?
von Wolfgang
Alexander Bajohr
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Wer weiß denn schon, wohin der Hase läuft? |
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Im März geht es gewöhnlich bei den Hasen hoch her, und sie haben beim Hochzeitsritual ihre eigenen Sitten, um sich kennen zu lernen. Genau genommen, beginnt diese Hochzeit schon im Dezember, wenn ihnen noch die Schrote um die Löffel pfeifen. Da wird so mancher Hase, kaum dass die Liebe begonnen hat, schon zum Witwer. Doch nicht die Jagd ist schädlich für Hasen, sondern dass sie in manchen Revieren noch zu einer Zeit stattfindet, wenn die Fortpflanzung schon längst begonnen hat. Darauf verweisen Wissenschaftler schon sehr lange und viele Jäger richten sich auch danach. Doch prallen zwei Theorien aufeinander. Denn andere halten eisern an ihren traditionellen, aber unglücklichen Jagdterminen fest. Sie tun das in der festen Überzeugung, dass der Hasenbestand auszudünnen sei, um sie vor Ansteckungsgefahr zu bewahren. Der Hase hat also zwei Möglichkeiten. Entweder erlebt er Weihnachten als kranke siechende Kreatur oder als Braten, weil er erschossen wurde, um ihm zu helfen. Das ist gut gemeint, aber überholt. |
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Boxkampf die Hasenwolle in hohem Bogen. Wenn die Häsin endlich soweit ist, sagt sie es ihm durch die Blume und schnalzt verführerisch mit ihrem Schwänzchen. Ganze 10 Sekunden dauert dann der Spaß für den Rammler. Aber er darf es noch mehrmals versuchen, und in der Regel bleibt so ein Hasenpaar auch das ganze Jahr beisammen. Nach 33 Tagen kommen die Kinder auf die Welt, und das Faszinierende an ihnen ist, dass sie schon ein richtiges Fell haben, sehen können und auch schon davon flitzen, wenn ein Feind in der Nähe ist. Meist aber ducken sie sich und versuchen nicht ihr Heil in der Flucht, denn sie wissen, dass sie durch Drücken unsichtbar bleiben. Mehrmals täglich kommt die Hasenmama bei jedem Einzelnen vorbei, und dann gibt es "Hasensahne" mit 23 % Fettgehalt. Kein Wunder, dass die Kinder, wenn sie nebenbei noch Grünzeug essen, in einem Monat schon 1 Kilo schwer sind, und bis zur Herbstjagd werden sie 3 - 5 Kilo haben. Sofern sie die Herbstjagd überhaupt erleben. Denn viele rafft im Spätsommer die Kokzisiose dahin, das HBS-Syndrom oder eine andere der vielen Nagerkrankheiten. |
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So haben sich die Hasen mit der traditionellen ordnungsgemäßen Landwirtschaft arrangiert und haben davon profitiert. Aber mit der industrialisierten Landwirtschaft können sie nichts anfangen, denn heute wird ihr ganzes Futter mit Herbiziden als "Unkraut" einfach weggespritzt, und die Hasen finden allenfalls noch im Wald ihr Futter. Kaum bricht mit dem Mähdrescher bei der Ernte die Welt für sie zusammen, folgt auch schon der Pflug, und aus ist es wieder mit dem Schlaraffenland. Seit der Erfindung der Feuerwaffen ist den Hasen nie etwas vergleichbar Schreckliches passiert wie der Kahlschlag in ihrem Lebensraum und Vernichtung des Futters. Kein Wunder also, dass der Stress sie anfällig macht, dass sie dahinsiechen und schließlich sterben. Die Folge ist, dass Greifvögel und Füchse dann Nachlese halten. Dabei werden sie gesehen und dann beschuldigt, obwohl sie unschuldig in Verruf kommen. |
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Auch
viele Jäger sind der Hasen Tod |
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sind vor allem in der Dämmerung oder auch nachts unterwegs, und der Lichtstrahl des aufgeblendeten Scheinwerfers scheint sie an den Platz zu bannen. Also besser bremsen, vielleicht sogar anhalten, abblenden oder Standlicht einschalten und den Hasen flüchten lassen. Vielleicht hat er Kinder, die verhungern würden, wenn ihre Hasenmutter verunglückt. |
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Ein Hase ist kein Hasenfuß |
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Nur dort, wo durch Flächenstilllegungen eine Art von moderner Dreifelderwirtschaft entsteht, könnte der Hase wieder eine Chance bekommen. Aus EU-strategischen Gründen wird man 10 - 20 % der Agrar-Flächen aus der Nutzung nehmen müssen. Jedoch nur, wenn man die über das ganze Land verteilt, wenn jeder Acker wieder seinen Randstreifen, jeder Feldweg ein Bankett, jeder Acker und jede Wiese wieder eine Hecke bekommt, dann könnte daraus ein Netz von Lebensräumen werden. Nicht nur für den Hasen, sondern auch für all jene Vogelarten, die als „Vogel des Jahres” auf die gleiche Misere aufmerksam machen sollten und heute genauso wie der Hase auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten stehen. |
siehe auch
Hasenbalz