Im Jahreslauf: Rajah und das Kampfreh
von Helga Bajohr
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Über Kampfhunde ist in letzter Zeit viel geschrieben worden und das Fernsehen ist voll davon. Ich glaube fast alle Hundebesitzer sind froh, wenn sie einem wirklichen Kampfhund niemals begegnen. Dass es aber unter den scheuen Rehen im Wald auch "Kampfrehe" gibt, war für uns neu. Unsere Hündin Rajah hat es am eigenen Leib erfahren. Rajah, unsere
Lakelandterrierhündin ist ein freundlicher und friedlicher Hund der außerdem
gut erzogen ist. Da wir 100 m von Feld und Wald entfernt wohnen und keinen
Ärger mit dem Jäger wollen, waren alle unsere Hunde "rehrein"
und "hasenrein", wie der Jäger es nennt. Das heißt, auch ein
Reh, welches 5 Meter vor uns über den Weg läuft, wird nicht verfolgt,
wenn der Befehl "steh" durch den Wald schallt. Nicht bei jedem
Hund hatten wir so schnelle Erziehungserfolge wie bei Rajah, aber gelernt
haben sie es alle. Was mein Mann dann
berichtete, war fast nicht zu glauben: Zwischen Rajah und ihm tauchte plötzlich
ein Reh aus dem Himbeergestrüpp auf, rannte hinter Rajah her, schlug dem
Hund mit dem Vorderlauf von
hinten auf den Kopf und sprang sofort wieder in die Himbeersträucher zurück.
Rajah machte einen Satz nach vorne, kehrte sofort um und suchte bei
Herrchen Schutz. Uns war natürlich klar, dass diese Attacke von einer Rehmutter gekommen ist, die ihr Bambi im Gebüsch verborgen hat. Es ist bekannt, dass Rehmütter Füchse angreifen, die ihrem Kind zu nahe kommen. Und darum wird so ein kleiner Lakie dann eben wie ein Fuchs verprügelt, auch wenn er brav auf dem Weg läuft. Mein Mann meinte nur trocken: "Es trifft doch immer die Falschen". Nach Hause sind wir vorsichtshalber einen anderen Weg gegangen, auch um die Rehmutter nicht nochmals zu beunruhigen. In den folgenden Tagen gelang es die Rehmutter alleine, aber auch mit ihrem Kitz zusammen und auch das Kitz alleine zu fotografieren. Wir fanden auch eine Erklärung für die Aggressivität der tapferen Rehmutter. Als die Wiese neben dem Wald gemäht wurde, ist eines der Kitze von dem Mähbalken grausam zerstückelt worden. Das zweite Kitz konnte sich in das anliegende Getreidefeld retten. Die Rehgeiß war nervös, denn sie hörte ein Kitz klagen, aber verschwunden waren beide. Es ist eine Tragödie, dass Rehe ihre Kinder gerade dort zur Welt bringen, wo wenige Tage danach das Gras gemäht wird um Heu zu machen. Das hat sich auf Grund einer neuen Technik geändert. Heute mäht der Bauer um runde zwei Wochen früher, denn es wird seltener Heu gemacht, sondern die Mahd in Wickelballen verpackt und darin siliert. Damit liegt der Erntetermin häufig schon im Mai, doch die Mehrzahl der Kitze kommt erst im Juni auf die Welt, seltener auch im Mai. So hat die Landtechnik einen Beitrag leisten können das ekelhafte Ausmähen der Kitze zu vermeiden. Gefragt ist jetzt der Hundefreund, der in dieser Zeit seinen Hund stets im Wald an die Leine nehmen sollte, damit ein sonst harmloser Familienhund nicht Angst und Schrecken unter dem Rehwild verbreitet. Je besser ein Hund erzogen ist, desto mehr Freiheit kann man ihm lassen. Ein Tierfreund, der seine Hunde liebt, der liebt natürlich auch die Rehe und deren Bambi. Er wird verstehen was ein Tierfreund immer versteht, und er wird auch Freunde und Bekannte darauf ansprechen, nicht ganz so folgsame Hunde im Wald an die Leine zu nehmen. |
![]() Besorgte Rehmutter |
![]() Mutter und Kind |
![]() Rehkitz |