Im Jahreslauf: Der
Iltis macht sich unsichtbar.
Schonung für den Wühlmausschreck und Rattenfänger vom Maisinger See
von Wolfgang Alexander Bajohr
| Der ganze Bruchwald ist eine einzige Naturverjüngung. So naturnah wie dieser Moorbirken-Erlen-Wald sich selber pflanzt, sinkt er auch eines Tages in das Moos und lässt sich überwuchern. Als man vor Jahren versucht hat, einen geschlagenen Baum mit Pferden herauszuschleppen, sind sie bis an den Bauch versunken, und man hatte Mühe sie zu retten und aus dem abgrundtiefen Moor herauszuziehen. So ist das hier, auch ohne dass man es offiziell so nennt, nicht nur ein Naturschutzgebiet, das sich selber schützt, und zugleich ein Naturwaldreservat, das niemand bewirtschaftet. Es ist die rechte Mischung aus Aspen und Erlen, Eschen und Moorbirken, Moorkiefern und Vogelbeeren, Eichen und Faulbaum. Nur auf den Buckelinseln im Moor, auf festem Untergrund, da gibt es Heidelbeerdickicht, Zwergbirke und auch einzelne uralte Fichten. Uralt, weil sie wachsen und gedeihen dürfen, bis ein Sturm sie niederwirft. In den Wurzelballen finden dann Zaunkönig und Rotkehlchen Unterschlupf für ihre Nester. In damit aufgerissener Gumpe aber sammelt sich das braune Wasser. Laichplatz für Erdkröten und Springfrösche. Die Lichtung aber, die der Sturm geschlagen hat, wird bald überwuchert von Pionierholzarten, dem Moorbirkenanflug, Eschen und jungen Schwarzerlen. Es wäre ein guter Elchwald, und der Elch wäre auch nötig, um die Lichtungen offen zu halten für Vögel, die sich nur kurze Zeit hier ansiedeln können, wie Grau- und Mittelspecht. Auch Triller und Trommler der Schwarzspechte hallen durch den Urwald. Aber sie können nur an seinen Rändern auf den Hängen der Toteislanschaft leben, und sie weichen, sobald die natürlichen Lücken im Wald sich schließen. Auf dem Torfboden lässt sich gut durch den stillen Urwald schleichen. Doch man braucht selber Habichtsaugen und Fuchsohren, um etwas zu entdecken. |
| goldgelben Sonnenkugeln der Trollblumen. Dort blühen zu Tausende Orchideen, breitblättrige Knabenkräuter. Am Bachrand stehen dunkelviolette Akelei und die strahlenden lila Dolden der Akeleiblättrigen Wiesenraute, aber auch die echte Wiesenraute. Am Moor-Rand brütet die Wacholderdrossel. Viel kleines Vogelvolk schmettert aus voller Kehle. Tags kreist jauchzend der Bussard. Durch die Wildnis jagt der Sperber, und der Raubwürger sitzt im Moor auf seinen Warten. Nachts heult und juchzt in den Hängen der Waldkauz. Auf den Wiesenhängen gibt es eine Unzahl von Mäusen. |
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Moorschlamm, dass die Fußsohle nicht behaart ist. Mal sind es Zweiersprünge
wie bei einem Steinmarder, dann aber schlängelt sich die Spur dahin, als
sei das Tier gehoppelt, dann wieder gesprungen. Der Wechsel zwischen
wenigen Sprüngen und Krabbelspur sieht so aus, als sei hier ein
besoffener Marder den Steig entlanggetorkelt. |
| dessen Bau. Der Iltis ist etwa so groß wie eine kleine Steinmarderfähe, etwas größer als der Rüde eines Hermelins, mit dem er auch nahe verwandt ist. Charakteristisch ist seine typische Mardergestalt mit langem Rumpf und kurzen Beinen. Der Schwanz ist buschig, aber kürzer als bei den anderen Marderarten. Um Kinn und Schnauzenspitze ist ihre schwarzbraune Knopfnase gelblichweiß eingerahmt, hinter den Augen und vor beiden Ohren sind große, ebenfalls gelblichweiße Flecken im sonst dunklen Pelz, aus dem die kleinen runden Öhrchen ebenfalls hell gerandet herausragen. Sie lassen das Gesicht lustig aussehen, wie bei einem Pandabären. Sonst wirkt sein Fell dunkelbraun, aber das ist nur das Grannenhaar, und es steht locker, so dass überall die helle Unterwolle durchscheint. Nur am Bauch ist er ganz dunkel. Mit frechen Knopfaugen schaut er verwegen in die Welt. |
| mal an einem Haustier vergreift. Denn vom Standpunkt des Bauern ist der Waldiltis das nützlichste Tier, das er sich wünschen kann. Nützlich vom Menschenstandpunkt darum, weil er ein Spezialist ist, der wehrhaft auch große Wanderratten überwältigen kann, handlich und schlank genug ist, um ihnen auch in die entlegenen Baue zu folgen. Daneben hat er sich auf die "Wasser-Ratte" spezialisiert, die identisch ist mit der großen Schermaus, die Bauern und Gärtner zur Verzweiflung bringen kann. Der Iltis ist kein wilder Jäger, sondern ein systematischer Stöberer, der gründlich absucht und jagt. Je nach Gegend können die Schermäuse bis zu 89 % seiner Beute ausmachen. Die übrigen Mäuse, einschließlich der Ratten und Bisam können bis zu 51 % an der Beute erreichen. Wo es Wildkaninchen gibt, jagt er auch sie im Bau, ebenso Hamster, Ziesel und ganz nebenbei auch einmal einen für ihn günstig brütenden Vogel. Doch das ist eher Zufall. Regenwürmer, Fische oder Aas vom Komposthaufen nimmt er gelegentlich, aber Frösche sind seine Leibspeise. Wo er auf dem Bauernhof lebt und jagt, unterscheidet er nicht zwischen einer Ratte und einem Küken. Aber es liegt ja an uns, dass wir dafür sorgen, dass er nur das fängt, was wir zulassen wollen. Den Iltis laufen zu lassen, macht weniger Mühe, als ihn zu fangen. Wo man sehr von Mäusen und Ratten geplagt ist, tun die verpachtenden Jagdgenossen sogar gut daran, wenn sie in den Pachtvertrag eine Klausel aufnehmen, die für alle Mäusefresser eine ganzjährige Schonung sichert. |
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Bei einigen ist die Oberschenkelmuskulatur angefressen. Grausig, und doch unterscheidet es sich von den halb verzehrten, zerfetzten Fröschen, die Vögel oft hinterlassen. Der Iltis arbeitet sauberer, denn er ist es, der hier seine Vorratskammer angelegt hat. Unklar ist der Wissenschaft, warum das geschieht, denn eindeutig hat er alle gesäubert, hat sie gerollt und durchgewalkt, um den Schleim nicht essen zu müssen. Fachleute neigen dazu, es für ein Vorratslager zu halten. Andere meinen es sei ein Zufall, und dass hier der Iltis nur gearbeitet habe, um seine Beute zu säubern, aber nicht aufhören konnte. Wer damit Recht hat, werden wir nie erfahren. Man findet solche Beutelager selten, und auch ich habe sie in Jahrzehnten Tierbeobachtung nur zweimal entdeckt. Die Regel scheint es also nicht zu sein. Entweder legt er diese Lager im Frühling anlässlich der Laichversammlung von Amphibien an, dann liegt auch Laichklumpen auf den Wiesen, die man "Sternschnuppengallerte" nennt. Oder er frisst sich im Herbst rund und voll am Überfluss, aber er hört danach nicht auf, weiter zu jagen. |
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den Rücken,
greift aber rasch nach, um
den tödlichen Nackenbiss anzubringen. Es ist die gleiche Art, eine Beute
blitzschnell zu töten, wie bei den nahen Verwandten Mauswiesel und
Hermelin. Nur wenn er hungrig ist, schneidet er seine Ratte sofort an,
sonst trägt er sie in die Deckung. |
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Sie rutschen dabei mit dem Hinterteil am Boden herum, markieren aber auch mit Urin. Sie können schon im Februar mit der Ranz beginnen und die kann dann bis Ende Juni dauern. Eine Keimruhe, wie die anderen Marder, haben sie nicht. Da sie ihr Revier markieren, sind sie also territorial, und man hat herausgefunden, dass sie ein Streifgebiet zwischen 50 und 1000 ha für sich alleine beanspruchen. Was passiert, wenn sich zwei Iltisse in einem Revier zur Ranzzeit begegnen, habe ich einmal beobachtet. Sie bewinden mit der Nase die Analregion und muckern dabei im Staccato. Nach 9 Monaten sind Jung-Iltisse geschlechtsreif geworden, und so stellt sich zuweilen die Frage nach dem eigenen Revier. Auf einen Ernstkampf haben es aber auch Rüden kaum abgesehen, denn einen Beschädigungskampf kann sich ein Tier, das von der Jagd lebt, kaum leisten. So
machen sie dann einen Katzenbuckel, zischen sich gegenseitig mit geöffnetem
Fang an und versuchen, Hals und Kopf aus der Angriffsposition zu drehen, so
als ob sie sich angewidert abwenden. Wird es wirklich ernst, greifen sie
sich fast gleichzeitig und blitzschnell an und versuchen sich gegenseitig
am Hals zu packen. So eine Balgerei ist stumm, dauert etwa 15 Minuten und
endet so plötzlich wie sie begonnen hat. Der Unterlegene legt sich flach
auf den Boden und droht bei weiterer Annäherung durch Zischen. Nach 42 Tagen werden zwischen 2 und 7 Welpen geboren, hilflos und blind, 7 cm lang und 7-10 g leicht. Erst nach 4 Wochen öffnen sie die Augen, und schon vorher bekommen sie zusätzlich zur Milchspeise auch feste Beutenahrung, also Fleisch. Für die ersten 3 Wochen haben sie einen dünnen silbrigweißen Babypelz, den sie ab der 3. Woche wechseln und somit umfärben. Gesäugt werden sie 6 Wochen lang, und sie wachsen schnell. Denn mit 4 Monaten sind sie schon so groß wie die Eltern. Dann werden sie selbständig, aber die Familie bleibt gerne noch den Rest des Jahres beisammen. Geschlechtsreif werden sie mit 9 Monaten, und damit ist es Zeit, in ein eigenes Revier umzuziehen. |
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Offenbar werden auch mehr Rüden als Fähen geboren. Sind sie aber erst einmal über die Runden, haben sie die Chance älter als 7 Jahre, ja 12-13 Jahre alt zu werden. Denn Wolf und Luchs als natürliche Feinde spielen keine Rolle. Als Stinktier wehrt er sich gegen überlegene Gegner, wie Jagdhunde oder Wölfe mit einem bestialisch stinkenden Parfüm aus seiner Stinkdrüse. Hilft das alles nichts, wissen sie kräftig zuzupacken und auch den überlegenen Gegner feste in die Nase zu beißen. Ein Fressfeind ist auch der Steinadler, aber er kommt heute nur im Hochgebirge vor, so dass er den Iltis genauso wenig regulieren kann. Nur der Uhu kann ihnen bei ihrer oft nächtlichen Lebensweise gefährlich werden, aber auch er ist selten und nicht überall anzutreffen. Ob der Fuchs ihn als Konkurrenten angreift, ist zweifelhaft, denn für seine feine Nase stinkt der "Ratz" viel zu sehr, und so gehen sie sich lieber aus dem Wege. Mancher Iltis wird auf der Straße totgefahren, einige werden auch geschossen. Wer gelegentlich mal im Hochwinter einen Iltis überlistet und mit der Waffe erlegt, gefährdet sicher die Art nicht. So ist diese gelegentliche Jagd mit der Waffe nicht das Problem für den "Ratz". Wirklich gefährlich für sie ist nur der Vernichtungsfeldzug mit der Schlagfalle, der anderen gilt und den Rattenfänger Iltis nebenbei mit dezimiert, da sie nicht zwischen einem Steinmarder, Fuchs oder Iltis unterscheiden kann. Weil der Iltis nicht häufig ist, hat ihn der Tod in den Fallen auf die Rote Liste gebracht. Rein theoretisch wäre der Iltis groß genug auch Hasen oder Fasane zu greifen, aber die kommen in dem von ihm bevorzugten Feuchtgebiet kaum vor. Da der Iltis, und daran gibt es keine Zweifel, nicht jagdschädlich ist, gibt es keinen vernünftigen Grund, ihn zu verfolgen, es sei denn, der Jäger möchte einmal im Leben auch einen Iltis überlistet haben. Doch ihr Fell gilt nicht als besonders wertvoll. Warum dann die Jagd? |
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Er ist ein Waldlückenbewohner, der an den Rändern jagt und darauf
angewiesen ist, dass ihm die großen Pflanzenfresser Lücken in den Urwald
beißen. So hat er auch bald entdeckt, dass es im Siedlungsraum reichlich
Ratten und Mäuse gibt. überall dort streifen sie durchs Gebüsch, durch
Brachland, Moore und besonders gerne durch die Auwaldstreifen an Gewässern.
Die offene Feldlandschaft meiden sie, und einen eigenen Bau buddeln sie
nur gelegentlich. Gerne bewohnen sie die Baue ihrer Beute, den
Kaninchenbau, oder aber sie siedeln in der Scheune, weil ihr Winterfell
kein Luxuspelz ist und ein warmer gut geschützter Unterschlupf von ihnen
über alles geliebt wird. Manchmal bauen sie sich kugelige Schlafnester
aus Moos, Gras und Laub. Sie wechseln diese Sommerverstecke oft, aber
beziehen es immer wieder. Denn ihr Ortsgedächtnis ist hervorragend, so
dass sie ein solches Versteck noch nach Monaten wiederfinden. Der
zahme Bruder Frettchen |