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Igel gehören erdgeschichtlich zu den ältesten noch lebenden Säugetierarten, sie sind seit dem Tertiär nachgewiesen. Aussehen und Gestalt gegenwärtiger Igel hatten ihre Vorfahren schon vor 15 Millionen Jahren. In unseren Breiten lebt der westeuropäische Braunbrust-Igel (Erinaceus Europaeus), auch Westigel genannt. Er steht unter strengem Naturschutz und ist als Insektenfresser äußerst nützlich. Von Umfragen in der Bevölkerung wissen wir, |
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dass der Igel an der Spitze der Beliebtheitskala aller Wildtiere steht. Als „Streicheltier“ spricht er unser angeborenes Kinderschema an. Das verwundert, denn sein spitzborstiges Stachelkleid, als Abwehrstrategie gegen Feinde, ist zum Streicheln und Kuscheln wenig geeignet. Auch rollt er sich ein, wenn wir ihm zu nahe kommen, und an eine gestachelte Kugel lässt sich keine Tierliebe vermitteln. Nicht ohne Grund war der Igel das Wappentier des bis heute beliebten Fernseh-Professors Bernhard Grzimek (1909 - 1987), Zoodirektor von Frankfurt/M, Begründer des „Igel-Breviers“ 1977 mit Dr. Poduschka, sowie Autor von „Grzimeks Tierleben“ und Oscar-Tierfilmer („Serengeti darf nicht sterben“). Der Professor trug bei seinen legendären Fernsehsendungen stets das Igel-Bild auf seiner Krawatte. Zu seiner Beliebtheit hat dem Igel auch wesentlich der Puppenspieler, Maler und Filmemacher Paul Diehl aus Gräfelfing bei München verholfen, denn Generationen von Kindern sind mit seinem Mecki-Plüschtier aufgewachsen, und so wurde das pfiffige Igel-Maskottchen für Diehl zum großen Erfolg. In der Spielzeugwelt hat dem Mecki nur der Teddybär Vergleichbares entgegenzusetzen. Wer so schon als Kind auf den Igel geprägt wurde, wie auch durch Märchen und Erzählungen, z. B. die Geschichte vom Wettlauf von Hase und Igel, „Hans mein Igel“ der Gebr. Grimm, Igel-Verse von Wilhelm Busch, Eugen Roth u. a., kann ihm als Erwachsener nicht gram sein. |
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Erst als im 15. Jahrhundert die Waldverwüstung durch Brandrodung zu Ende
ging, und rund zwei Drittel des Waldes beseitigt waren, ist auch für
den Igel ein neues Biotop enormer Größe entstanden, die bäuerliche
Kulturlandschaft.
Sie wurde
Lebensraum für ihn und viele andere Tierarten, und diesen hat er bis in die
Gärten menschlicher Siedlungen ausgedehnt. |
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Einen Meilenstein in der Igelforschung setzte Dr. Walter Poduschka (1922 - 1996), Tierarzt in Österreich. Per Zufall fand er im Sommer 1962 in seinem Garten zwei verwaiste Igel-Winzlinge – 8 cm lang – und zog sie mit Hilfe seiner Frau vorerst ohne spezielle Vorkenntnisse groß. Über die Jahre sollten noch viele Pflegefälle folgen und aus Dr. Poduschka wurde so ein international anerkannter und verdienter Igel-Wissenschaftler. |
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Bis zu seinem Tod blieb er der Erforschung dieses Insektenfressers treu, was
sich auch in eindrucksvoller Weise in der Fachliteratur widerspiegelt.
Heutige Biologen bauen oftmals auf seinen Erkenntnissen auf. Nach
zahlreichen Erprobungen an kranken Igeln publizierte Dr. Poduschka 1972 ein
Medikament, das die Heilung des Igels bei Lungenwurmbefall ermöglicht:
„CITARIN L“. Bis heute hat sich diese Arznei bewährt und Dr. Poduschka sich
damit ein Denkmal gesetzt. |
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Weitere Informationen: |
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+5 Grad ab und das Herz schlägt nur noch 8 Mal pro Minute. Fünf Tage
später entdecke ich abends draußen ein kleines Knäuel, ein junger Igel, der
sofort ins warme Haus genommen wird, weil er für den Winter nicht gerüstet
ist. Er stammt wohl aus einem späten Wurf, und die Mutter hat sich
vermutlich bereits in den Winterschlaf verabschiedet. Es ist ein Weibchen,
14 cm lang und 250 Gramm leicht, das nun bei Raumtemperatur hochgepäppelt
werden muss, denn Jungigel mit weniger als 500 Gramm haben kaum eine Chance
den Winterschlaf zu überleben. Igel-Mütter säugen ihre Jungen bis zum Alter
von sechs Wochen und einem Gewicht von etwa 250 Gramm, denn die Kleinen
können zwar schon selbst fressen, aber nicht genug Insekten erbeuten um satt
zu werden. |
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Ich nenne die neue vorübergehende Hausbewohnerin „JOSI“, denn alle im Haus gepflegten Igel bekommen einen Namen. Nach zwei weiteren Tagen ist bei Abenddämmerung erneut ein kleiner Igel am Futternapf, den ich ebenfalls ins Haus nehme: Ein Männchen, 15 cm lang und 300 Gramm leicht, vermutlich ein Brüderchen aus dem gleichen Wurf, ich nenne ihn „JOSCHI“. Die Kotuntersuchung mit dem Mikroskop ergibt keinen Hinweis auf Erkrankungen durch Innen-Parasiten, die beiden scheinen gesund zu sein, haben Appetit, entwickeln sich prächtig und verstehen sich anfangs auch gut. |
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Igel
sind Individualisten, keinesfalls kann man sie alle über einen Kamm scheren.
So will „JOSI“ nach der Mahlzeit ein paar Mehlwürmer als Nachtisch, ein
Igel-Leckerbissen wie man sagt, doch „JOSCHI“ lehnt Mehlwürmer ab. Er
wiederum frisst gerne auch etwas Katzen-Trockenfutter, was sie nicht
verstehen kann. Nach etwa zwei Wochen Pflege und entsprechender
Gewichtszunahme beobachte ich eine beginnende Rivalität: „JOSI“
schiebt ihren Bruder manchmal unter Fauchen und Gebrumme mit ihrem
Stachelkopf zur Seite, wobei er mit seinen Breitseite dagegen hält. Um
Beißereien zu vermeiden, werden sie nun getrennt, denn es ist besser,
erwachsene Igel in Gefangenschaft separat zu halten, auch in der freien
Natur sind sie Einzelgänger, die Geselligkeit weniger schätzen. |
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Alle meine bisherigen Igel-Pfleglinge zogen sich bei der täglichen Gehegereinigung zurück. Nicht so „JOSI“, sie will dabei sein und behindert meine Arbeit, will gestreichelt werden und tuckert dabei gleichmäßig, ähnlich einem Meerschweinchen, ein Ausdruck des Wohlbefindens, wie ich vermute. Sie ist eben eine besonders zutrauliche Igelin, wie sich auch noch zeigen wird. Am 22. November haben beide etwa 800 Gramm Körpergewicht erreicht, sind deshalb fit für den Winterschlaf und kommen in trockene |
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Freigehege. Erst
drei Wochen später beginnen sie im Abstand von drei Tagen den Winterschlaf,
und der Pfleger freut sich über eine verdiente längere Winterpause. |
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Schlupfloch auf der kühlen Erde, und wenn ich sie ansprach öffnete sie nur ein Auge. An einem Nachmittag wälzte sie direkt vor meinen Füßen ihren Rücken auf staubiger Erde, so wie man das bei Pferden sieht, wenn sie ein Sandbad nehmen, ein einmaliges Schauspiel, wer hat das bei einem Igel schon gesehen? Anfang September hat „JOSI“ ausgeprägte Zitzen, sie wirkt unruhig und hektisch und beißt mich auch das erste und einzige Mal in den Finger. Was ist los mit ihr, hat sie Junge zu versorgen? Mitte September fängt sie an ihre Behausung mit frischem Haferstroh auszupolstern, das in einer trockenen Gartenecke bereit liegt. Am 21. September gegen 22 Uhr läuft sie |
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200 Gramm und dürften knapp 4 Wochen alt sein. Es sind drei Weibchen und ein Männchen. Zwei Weibchen haben genau die gleichen Merkmale: Drei helle Krallen an der linken Vorderpfote. Bis Ende September sind alle Jungen auch tagsüber des öfteren am Futternapf zu sehen, danach entwickeln sie allmählich ihre natürliche Nachtaktivität. Anfang November haben alle vier Jungigel die kritische 500-Gramm-Grenze deutlich überschritten, die Mutter hat sich bereits in den Winterschlaf zurück gezogen und die Kleinen folgen ihr zur Monatsmitte nach. Ein gutes Igeljahr 2004 findet damit in meinem Garten sein Ende.
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