Im Jahreslauf: Grosse
Überraschung,
Neue
Vogelart am Starnberger See!
Zwei Rosa-Flamingos bei Feldafing (Phoenicopterus
ruber roseus)
| Da sie relativ scheu sind, sich auch von dem Motorboot der Roseninsel vertreiben lassen und schließlich hinter einer Gruppe Kormorane in Deckung gehen, hatte ich schon den Verdacht, dass es Wildtiere sind. Das bestätigt sich auch, denn aus München Hellabrunn sind sie nicht entflohen, und sie tragen auch keine Ringe am Fuß. Frau Rau, Ornithologin im Tierpark, hat mir bestätigt, dass sie keine Flamingos vermissen und dass sie gar nicht so exotisch sind, wie viele meinen. Zwar ist die große Flamingokolonie im Rhonedelta in Frankreich, und auch in Spanien gibt es einige solcher Kolonien. Kaum bekannt ist, dass eine kleinere Kolonie am Altrhein ist. Niemand aber weiß bislang, wohin diese Vögel im Winter verschwinden. Da sie aber recht gute Flieger sind, ist der Trip zum Starnberger See eine Kleinigkeit. Besonders der Starnberger See bietet sich an für eine Überwinterung, denn er friert auf Grund seiner großen Wassermenge nur alle 10 Jahre zu und bietet mit den Rasen der Armleuchteralgen große Mengen an Nahrung im Flachwasserbereich. |
| Das ist eine Technik, die auch verschiedene Entenarten haben.
So steht der Flamingo auch den Enten nahe. Unter denen gibt es auch einige
Arten mit vergleichbarer Nahrungsaufnahme, wie z.B. die Löffelenten am
Maisinger See. Im Erscheinungsbild ähneln sie allerdings Störchen. Das Männchen ist mit 4 Kilo etwas größer und auch prächtiger in der Farbe, das Weibchen mit 3 Kilo etwas kleiner und etwas blasser. Ihre Rufe, ein schnatterndes „Köht, kaa, ka ka“ und etliche Stimmfühlungslaute haben sie nicht hören lassen, denn sie hielten die ganze Zeit engen Kontakt zueinander. Die Flachwasserbereiche rund um die Roseninsel sind besonders artgerecht. Bei uns sind sie eine bestaunte Rarität, doch sollte man wissen, das es in Afrika und Indien Kolonien gibt, die bis zu 500.000 Paare groß sind. Ob die eher zaghafte Ansiedlung dieser Art in Deutschland etwas mit der Klima-Erwärmung zu tun hat, lässt sich schwer sagen, denn ihr Vordringen geht sehr langsam voran, weil sie erst mit 5-6 Jahren geschlechtsreif werden. In der Camargue beringte Flamingos sind bis zu 12 Jahre alt geworden. In der Gefangenschaft wurde einer sogar 44 Jahre alt. |
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Wir Menschen neigen oft dazu, Werturteile über Vögel abzugeben, so ist der Flamingo für uns auf Grund seiner Schönheit ein Edeltier, der Kormoran hingegen ein Schmuddeltier, für manche Fischer zuweilen vergleichbar den Ratten. Die Natur kennt solche Wertvorstellungen nicht und die Tiere, die ganz verschiedene biologische Nischen besetzen, kommen reibungslos miteinander aus. Bedenkenlos können wir die Flamingos auch dem Winter überlassen. Als Beispiel mag ein Paar gelten, das sich 3 Jahre lang in der Bucht von Wismar aufgehalten hat und dabei Packeis und Schnee trotzte. Irgendwann sind sie weitergezogen. Wir dürfen gespannt sein, ob unsere Flamingos auf dem Starnberger See eines Tages ihre Balztänze zeigen und „Flamenco“ tanzen, der nach dieser Vogelart benannt ist. Ich will hier auch nicht vorgreifen und über Nestbau und Brutpflege schreiben. Vorerst ist es nur soweit, dass wir uns an der märchenhaften Schönheit dieser für uns neuen Vogelart und an ihrer morgenrotfarbenen Erscheinung erfreuen können. Wolfgang Alexander Bajohr |