Gartenteich:
Teufelsnadel
aus dem Gartenteich, die seltsame Verwandlung der Mosaikjungfer
von Wolfgang Alexander Bajohr
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und an dem sich der Naturbeobachter nicht satt sehen kann, wenn sie auf diese Weise rastlos jagt und sich stundenlang in der Schwebe aufhält, um Mücken oder andere Insekten zu fangen. Für uns Gartenfreunde ist es die angenehme Seite ihres Kunstfluges, dass sie uns den abendlichen Terrassensitz mückenfrei halten. Nie bin
ich auf die Idee verfallen, dass sie "Augenstecher" sein könnten,
wie unsere Ureltern sie einstmals auch genannt haben. Denn dass diese
Kunstflieger in der Luft stehen bleiben, auch seit- und rückwärts
fliegen können und neugierig oft recht nahe kommen, hat sie unbegründet
in Verdacht gebracht. Einmalig aber ist nicht nur ihr Flug, sondern auch
ihr Riesenauge, mit dem sie als Rundum-Weitwinkelobjektiv ausgerüstet
sind und zu den am besten sehenden Insekten gehören. |
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Zur Jagd gleiten sie im Nu ein Stück weiter auf eine Waldlichtung oder sie rasen auch auf breiten grasigen Waldwegen umher, oft weitab vom Wasser. Dort aber patrouillieren die Männchen meist abwechselnd am Ufersaum entlang und warten auf ein Weibchen, das Eier legen möchte. Zuweilen werden sie dort ihrerseits Opfer eines sehr gewandten Fliegers, des Baumfalken, der sie aus der Luft heraus im Sturzangriff fängt und auch gleich in der Luft kröpft, wie ich es an einem kleinen Waldtümpel im Toteismoor beobachtet habe. Wenn die Libellen eher träumerisch das Ufer entlang fliegen, sind sie auch dem Menschen gegenüber gar nicht scheu und nähern sich schwebend oft auf wenige Dezimeter. Man sollte sie so als Naturerlebnis erleben und ihnen zusehen, denn sie haben keine bösen Absichten und es ist verwerflich, nach ihnen zu schlagen. Während
die Weibchen bei dieser Art schwarzgrün am Hinterleib gefleckt sind, ist
das Männchen prächtiger, teils schwarzblau, teils schwarzgrün. Diese
Libelle ist unter allen Arten die anpassungsfähigste und darum noch nicht gefährdet,
wie alle übrigen Arten. Von den etwa 70 bei uns lebenden Libellenarten stellen
manche an ihre dahinschwindenden Lebensräume hohe Ansprüche und so
verwundert es nicht, dass 2/3 dieser Arten heute auf der Roten Liste der
vom Aussterben bedrohten Arten stehen oder schon verschwunden sind. Die Hochzeit kann zuweilen recht kompliziert sein, und manchem ist gar nicht klar was da geschieht, wenn sich Libellenpartner zu einem Hochzeitsrad verbinden. Denn sie übertragen ihre Samen nicht auf herkömmliche Art. Das Männchen füllt einen speziellen Samenbehälter erst im letzten Moment und greift das Weibchen von oben her, schwenkt erst einmal das Hinterleibende nach unten und füllt das Behältnis aus der weiter vorne am Körper liegenden Samenöffnung mit einer Portion in das getrennte Kopulationsorgan. Nun packt es das Weibchen mit den Anhängen des Hinterendes am Genick und lässt die Beine los, so dass sie nur noch von den Anhängen gehalten werden. Als sogenannte Paarungskette, bzw. Paarungsrad können sie jetzt noch über weite Strecken fliegend zurücklegen, und während des Fluges als Lufttandem lässt das Männchen die bereitgestellten Samen in das Weibchen hinübertreten. Manche
Libellenarten bleiben auch zum Eierabwurf im Schlamm als Lufttandem
beisammen, wie die Adonislibelle. Die Weibchen der Mosaikjungfer legen
ihre Eier alleine. Dazu
raspelt es mit einem scharfen Spitzchen am Hinterleib kleine Sägeöffnungen
in Pflanzenteile, damit die Eier erst einmal geschützt sind. Die Larve
des später so ätherischen nymphenartigen Wesens hat so gar nichts mit
der Feen gleichen Erscheinung der fertigen Libellen gemein. Sie ist plump,
hässlich und kräftig. Ihre Kiemen für einen Teil der Wasseratmung trägt
sie am Hinterende. Als wahrer Wassertiger entwickelt sie einen
unstillbaren Heißhunger. Sie jagt auf alles was sich bewegt.
Insektenlarven und Krebschen, Würmer und Schnecken. Aber auch Kaulquappen
der Frösche und Molche, ja selbst Fischchen und ihre Brut werden kräftig
gezehntet. Wenn
also der Zwergtaucher nicht genügend fest zupackt, hält er plötzlich
nur ein Bein im Schnabel. Aber auch die Atemeinrichtung, die man als
Sauerstoffklistiere bezeichnen könnte, rettet sie. Hierbei wird durch plötzliches
Zusammendrücken des Enddarmes das Atemwasser so kräftig ausgespritzt,
dass das ganze Tier wie ein Düsenflugzeug nach dem Rückstoßprinzip mit
Jetantrieb durch das Wasser in eine neue Position geschossen wird. |
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Nun kann man zusehen, wie von Minute zu Minute aus einem schrumpeligen eingefalteten flügelähnlichen Stummel ein Flügel wächst. Durch Einpumpen von Blutflüssigkeit wird er allmählich gestreckt, bis er sich völlig entfaltet hat und durchsichtig wird, bis auf das Adernetzwerk. Blickt man flach darüber hin, zeigt sich, dass die Struktur nicht glatt ist und auch nie glatt wird. Der Flügel wird immer geknittert erscheinen. Mit Sicherheit soll diese Wellblechfaltung für hohe Belastungen die statische Festigkeit erhöhen. Auch hier haben unsere Techniker wieder einmal von der Natur ein Lehrbeispiel. Die
Gesamtfärbung ist noch blass und unansehnlich. Erst mit dem Aushärten
des Chitins wird das Tier zunehmend farbig. Der ganze Vorgang vom Beginn
des Schlüpfens bis zum flugfähigen farbigen Insekt dauert meist so um
die drei Stunden. Erst wenn alles völlig getrocknet ist, und das Imago
schmuck wie aus der Fabrik ausschaut, wird es die Flügel lupfen und zum
ersten Jagdflug starten. Dem Jungfernflug eines der vollendetsten Geschöpfe
der Natur, das gleich fähig ist seine ganze Technik zu beherrschen, ohne
auf die Fliegerschule gehen und die Pilotenprüfung machen zu müssen. Nur
mit der Fortpflanzung wird es noch einige Tage warten. Ihre Manövrierfähigkeit ergibt sich daraus, dass sie Vorder- und Hinterflügel und auch innerhalb eines jeden Flügelpaares jeden einzelnen getrennt voneinander bewegen und so gegen den Luftstrom stellen können, wie es gerade für das jeweilige Manöver erforderlich ist. Irgendwelche Einschränkungen scheint es dabei nicht zu geben. Um sie wie Propeller herumwirbeln zu können, bedarf es natürlich eines starken Motors, den die Libelle mit einer mächtigen Muskulatur in der Brust antreibt. Einer Brust, die in charakteristischer Weise schräg gestellt ist. Der Flügelschlag ist dabei derart rasant, dass selbst die 1/20.000 Sek. der Blitzleuchtzeit nicht ausreicht um sie anders abzubilden als mit dem charakteristischen Wischerbild. Aber
auch um das Insekt, trotz seines vorübergehenden Stillstandes in der Luft
zu erhaschen, muss man Hunderte von Fehlaufnahmen hinnehmen, damit einmal
ein halbwegs geglückter Schuss dabei ist. Sie gehören bei uns zum Sommer
am Wasser, jene Zauberwesen mit ihren glasklaren glitzernden und
knisternden Flügeln. Sie gehören für uns zum Urbild einer unverfälschten
Natur, wenn sie blitzesschnell über die Seerosenfelder der Altwässer im
Auwald dahineilen oder über unserem Gartenteich in der Luft stehen. siehe auch Libellen |