Gartenteich:
Wetter-Fröschen
vergeht das Quaken,
Laubfrösche
haben allen Grund ihre Lebensräume zu reklamieren
von
Wolfgang Alexander Bajohr
| Sich vielstimmig steigernd und bald selbstbewusst
fordernd mit lautstarker Stimme "äp, äp, äp, äp, äp, äpp, äpp,
äpp". Bald aber wird der Balzgesang der Laubfrösche zum Inferno.
Schlagartig ist Ruhe. Doch gleich beginnt wieder einzeln der Vorsänger
und dröhnend fällt der Männerchor ein. Sie singen von ihrem
Liebessehnen in den düsteren Wald hinaus. "Äp, äp, äp, äp"
singt der Laubfrösche Vorsänger wieder das Solo und der Männerchor fällt
ein. Zuweilen singen zwei Vorsänger ein Duett, das aber gleich wieder überleitet
zur Gruppenbalz. Dröhnend und verlangend schreien sie ihre
Liebessehnsucht hinaus. Sie singen im Schilfsaum, im Mädesüß am Bach,
und sie singen in der mageren Schlehdorn-Hecke. Sie singen bis weit in den
Sommer hinein, und selbst noch August-September singen sie, nicht nur
noch, sondern aus reinem Vergnügen am Lärm in den Oktober bis zum
Eingraben. So ist es ganz normal, wenn Laubfrösche laue Sommernächte mit ihrem Höllenlärm erfüllen. Wir aber wundern uns, dass sie wasserscheu scheinen, denn nasses Sauwetter gefällt ihnen so wenig wie uns. Doch Lärm und Jubelfeste halten sich neuerdings in Grenzen, denn viele haben den langen und sehr kalten Winter nicht überstanden. Das ist ganz normal bei Laubfröschen, weil es immer etliche gibt, die sich nicht tief genug eingraben und erfrieren, weil kein Pelz sie schützt. |
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Das ist eine ökologische
Nische, die ihnen viele Vorteile verschafft. Besonders im Frühling, wenn
die Nächte noch empfindlich kalt sind, können sie als wechselwarme
Tiere, deren Körpertemperatur von der Umgebung abhängt, die Zeit der wärmenden
Frühlings-Sonnenstrahlen für sich nutzen. Ein großer Vorsprung gegenüber
den quakenden Vettern, die nachts unterwegs sein müssen. Er ist der bekannteste Froschlurch, meist grasgrün in allen Nuancen je nach dem Untergrund, Manchmal auch grau. Er ist stimmgewaltig, singt lieber im Chor als alleine, weil er offensichtlich Lärm liebt. Früher hat man ihn gerne als Wetterpropheten missbraucht, zusammen mit einer kleinen Leiter ins Einmachglas gesperrt und zu lebenslanger Haft verurteilt als: Wetterprophet. Das, obwohl jeder weiß, dass er kein Wetter machen kann. Wenn es um das Verkünden von Regen geht, dann ist der Ansager mit seinem Satellitenfernsehbild und selbst das Barometer viel zuverlässiger als der Laubfrosch. Den läßt man besser in Schilf oder Bambus, im Haselbusch oder Weidengebüsch quaken. Dort draußen sind seine Ansagen besser aufgehoben. Gemeinsam mit ihresgleichen versammeln sich viele im Gebüsch unsichtbar zur Gruppenbalz. Selbst der einzelne quakende Laubfrosch ist durch seine Tarnfarbe kaum zu finden. Wichtig
ist er dennoch als Zeiger-Art, denn jedes gute Laubfroschgewässer, das
schon länger besetzt ist, erweist sich auch als ein gutes Gewässer für
Molche und andere Froschlurche. Mit denen sind wiederum Arten verknüpft,
die von Lurchen leben. So ist er der Weiser für eine hohe Lebensqualität
und das ökologische Gleichgewicht einer Landschaft. In einer Kulturlandschaft setzt das immer deren extensive Nutzung voraus. Eine Parklandschaft, die neben Feldholzinseln aus Wiesen und Weiden besteht, auf denen das Vieh Tränken braucht. Einst hatte man darum ein Netz kleiner Weiher geschaffen, die ideale Froschtümpel waren. Das heute übliche Tränkefass auf dem Wagen ist kein Ersatz dafür und eine Infektionsquelle dazu. Flachgewässer auf Weiden erwärmen sich in der Sonne. Für den Wärme liebenden Laubfrosch also ideal. Er hat bei uns immer mit der Kälte zu kämpfen. Erwärmt sich das Wasser in der Sonne nicht auf ein Mindestmaß, sterben seine Kaulquappen ab. In diese Viehtränken wird auch niemand seine überschüssigen Goldfische entsorgen, denn das ist für alle Amphibien tödlich, weil sie alle Eier und Kaulquappen ratzeputz aufessen. Laubfrösche stammen aus Auwäldern, die sich ständig durch die Kraft des Wassers verändern. Mit Hecken, Wäldern und ihren Säumen, mit Brachflächen und Kleingewässern schuf einst der Bauer Ähnliches und hat damit dem Laubfrosch seinen Lebensraum erweitert. Die bäuerliche Kulturlandschaft und die natürliche Flussaue hatten die Vielfalt der Lebensräume gemeinsam. Die bäuerliche Kulturlandschaft, die unsere Vorfahren seit dem frühen Mittelalter einstmals geschaffen hatten, ist durch die industrialisierte Landwirtschaft oft schlagartig und zusammen mit den darin lebenden Laubfröschen zerstört worden. Laubfrosch
(Hyla arborea),
Kurzfassung Biologie Ihre aneinander gereihten Rufe "äpäpäpäpäpäpäpä" tragen sie sehr lautstark bis tief in die Nacht vor. Sie bevorzugen Chorgesang mit Artgenossen. Aktiv werden sie ab Ende März zeitig im Frühjahr und rufen bis weit in den Sommer. Ab April sitzen sie nachts gerne in den Laichgewässern, tagsüber, besonders bei warmem sonnigem Wetter in der Vegetation, Büschen und auf Bäumen. Mit Saugnäpfen an den Fingern erklettern sie selbst spiegelglatte Flächen. Bei der Paarung klammert das Männchen und befruchtet im Wasser die 1000 Eier, die später in walnussgroßen Klumpen treiben. Sind aus den Kaulquappen 16 mm lange Jungfrösche geworden, die dem Wasser ade sagen, beginnen sie ein Leben auf dem Land, um auf ihrer hohen Warte mit der Schleuderzunge Fluginsekten zu fangen. |