Eulen: Die Sperbereule, wenn aus dem hellen ,,Falken" eine Tageule wird
von Wolfgang Alexander Bajohr
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haben soll. In einem der
Fänge hat er einen sich windenden Fisch getragen. Das habe ich ganz deutlich
erkannt. Wir sind noch etwas schläfrig vom frühen Aufstehen. Aber dann fahre
ich hoch, denn vorerst rüttelnd ist ein falkenähnlicher Vogel am blauen
Himmel erschienen, aber es ist kein Gerfalke und ein Turmfalke ist es
auch nicht. Lautlos, aber wie ein Falke gleitet der helle Vogel über den
sonnigen Schlag. Laut und gellend ruft er ”Wick, wick, Kwickwikwikwik". Dem Benehmen nach hätte man sie freilich für einen Falken halten können. Das hat ihr auch ihren zweiten Namen ,,Falkeneule" eingetragen. Weil mir das Beobachten nicht genügt, pirsche ich mit der Kamera näher. Erst nutze ich jede Deckung aus, und als ich schließlich doch die letzten Kiefern-Kusseln verlassen muss, schieße ich erst einmal eine Bildsalve, denn klein drauf ist besser als gar nichts. Wie sich aber jetzt erst zeigt, muss ich gar keine Sorge haben, denn die mittelgroße Sperbereule, die da vor mir in der Birke sitzt, ist so vertraut wie alle Tiere, die aus der menschenleeren Wildnis kommen. Da diese Vogelart rund um den nördlichen Globus beiderseits des Polarkreises brütet, bleibt ihr auch gar nichts anderes übrig, als eine Tageule zu sein. Denn im Brutgebiet ist es im Sommer auch in der Nacht taghell. Dort ist sie es gewohnt, bei Sonnenlicht ihre Lemminge zu jagen. |
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Ihre Oberseite ist dunkelgraubraun mit weißen Flecken, die Unterseite weißlich und ähnlich wie beim Sperber, braungrau quer gebändert. Das gab ihr wohl auch den Namen. Das weiße Gesicht ist schwarz eingerahmt, die breite Stirn ist braun und weiß gefleckt. Der grauschwarz darum herum tuschierte Hakenschnabel ist gelbgrau. Mit ihrer Tamfarbe fällt sie auf der Birke nicht auf, solange sie sich nicht rührt. Das weiß sie und hat die Birke zu ihrem Lieblingsbaum gemacht. In ihrem nördlichen Brutlebensraum lebt sie in aufgelockerten Wäldern mit großen Freiflächen an der Grenze von Tundra und Taiga in der Birkenregion. Sie bevorzugen es stets, von einer Warte aus zu jagen und über Freiflächen zu rütteln, wie ich es auch beobachtet und geschildert habe. Ein solcher Kahlschlag mit
seinen Bestandsresten entspricht ziemlich genau dem Bild der heimatlichen
Taiga mit ihrem lockeren Wald und Freiflächen dazwischen. Darum fühlt sich
der seltene Strichvogel hier auch so wohl. Die Mehrzahl der Vögel zieht aber
nicht nach Süden, sondern bleibt auch im rauen Winter im Brutgebiet und
nährt sich anstatt von Nagern von Vögeln, solange noch welche erreichbar
sind. Wenn das nicht mehr gelingt, gibt es Winterverluste. Das ist im Norden
von Skandinavien nicht anders als in Sibirien und in Alaska, wo man die
dortige Rasse Falkeneule nennt. Sie ist auf Gedeih und Verderb von den
Lemmingen abhängig. Gibt es viele, legt sie 6-7 Eier und sind es weniger,
nur 3-5. Das hängt immer entscheidend vom Nahrungsangebot ab. Das Nest ist
stets in einer Höhle, sei es an der Spitze eines gebrochenen Baumes eine
ausgefaulte Höhle, eine vom Schwarzspecht vorgezimmerte oder einer jener
Brutkästen, die man in Lappland für die Gänsesäger und Schellenten aufhängt.
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Mich hat immer ihr schier grenzenloses Vertrauen gegenüber dem Raubtier Mensch fasziniert. Immerhin hat man früher auch Eulen geschossen und gebraten. In alten Jagdzeitungen kann man auch nachlesen, dass ihr das zum Verhängnis wurde und man ein ganzes Dutzend herabgeschossen hat, ohne dass die übrigen Eulen weggeflogen seien. Heute haben wir gottlob eine andere Einstellung zur Natur. Für den vogelfreundlichen Jäger, der sie am ehesten auf Jagdreisen in der Einsamkeit antreffen kann, ist die Begegnung mit dieser besonders auffälligen und schmucken Eule immer und in jedem Falle ein ganz großartiges Naturerlebnis, das eine weit höhere Rangstellung hat als eine erlegte Beute. |