Bedr. Vogelarten: Der Neuntöter kommt zurück. Wo der Waldrand noch Hecke ist
Von Wolfgang Alexander Bajohr
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Neben den Hecken gab es noch kleine Feldgehölze und solitär stehende Eichen, Eschen, Birken oder Linden, Schleh- und Weißdornbüsche, zuweilen mitten im Acker. Diese reich gegliederte Landschaft war für den Neuntöter sein Zuhause. Das aber war immer Bauernland. Jene halboffene Kulturlandschaft unter der Sonne, mit ihren Dornhecken aus Weißdorn und Schlehe, Rose und Brombeere, Pfaffenhütchen und Faulbaum, Berberitze und Holunder, Traubenkirsche und Wildkirsche, Hasel und Wildapfel war für den Neuntöter und noch eine ganze Reihe anderer Vögel und Tierarten die Lebensgrundlage. Einst haben diese das Feld begrenzenden Hecken auch die Wucht austrocknender Winde gebremst und die Gewalt der Unwetter gebrochen. |
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Neuntöter sind Zugvögel, die sehr spät zurückkehren. Nach dem 10.Mai sitzt
er plötzlich da. Das Männchen auffällig weiß leuchtend und nicht zu
übersehen auf einem hoch stehenden Zweig der Heckenrose. Der Kopf ist
hellgrau, rotbraun der Rücken. Flügelspitzen und Schwanz sind schwarz. Durch
das Auge geht vom Schnabel her ein schwarzer Strich. Je älter das Männchen,
desto schmucker ist ein Rosahauch am Bauch. Wegen seines Hakenschnabels
hatte man diesen Singvogel einst zu den "Raubvögeln" gezählt und
totgeschossen. Eine Woche später als er ist auch das Weibchen da. Braun und gesperbert sieht es eher wie ein kleiner Greifvogel aus und sie scheint gar nicht zum schmucken Männchen zu passen. Er aber ist begeistert, ruft "wäht, wäht" und beginnt sein leise schwätzendes raues Liedchen, vermischt mit dem Ruf der Goldammer, dem Zwitschern der Dorngrasmücke, dem Flöten der Gartengrasmücke, ein wenig Heckenbraunelle und einem Schuss Rotkehlchen. |
| Die sind rundlich und am stumpfen Ende gesprenkelt. Während der 14-16 Tage, die sie brütet, füttert das Männchen sie und auch die ersten Tage nach dem Schlüpfen. Ich habe seine Anflüge gezählt und bin darauf gekommen, dass er an einem Vormittag 300-mal mit Futter kam. Sobald das Weibchen mitfüttert, verdoppelt sich die Zahl der Anflüge. Mittags ist Ruhezeit, aber nachmittags füttern sie erneut. So können die Jungen aus Sicherheitsgründen schon nach 2 Wochen das Nest verlassen. Jetzt kann das Wiesel nur noch Einzelnen gefährlich werden, nicht mehr allen 5-7 Jungen. Im Brutgebiet bleiben sie noch etwa 3-4 Wochen. Schon ab August/September gehen sie wieder auf die weite Reise nach Afrika. Die Beringung hat offenbart, dass sie über Griechenland und Israel fliegen und den gefährlichen Weg über das Meer meiden. |