|
Das Seeholz ist so beispielhaft ein Wald des Lebens, in dem aus ehrwürdigen alten Bäumen noch junge Triebe sprießen. Es ist ein Wald mit Bäumen, die jeder für sich ein Naturdenkmal sind, inmitten des schmückenden Blütenreigens am Waldboden. Wir lieben diesen alten Wald, der mit seinen überwältigend mächtigen Eichen für uns ein gutes Stück Naturerlebnis ist, auf das wir schon seit einigen Jahrzehnten nicht verzichten mögen, denn zur Blütezeit besuchen wir ihn jährlich. Dieser Naturwald ist zugleich ein überkommenes Erbe aus einer Zeit, als unsere Vorfahren sein Holz und ihre Schweine seine Früchte brauchten. So ist diese Hartholzau am Ufer des Ammersees erhalten geblieben, obwohl es vor 250 Jahren noch keine Förster gab, die ihn gehegt hätten. Die Mehrzahl seiner alten Bäume ist zwei- und dreimal so alt wie die ganze Forstwirtschaft. In vielen der hohlen Stämme wohnen Tiere, andere Bäume sinken eines Tages dahin und schaffen Platz. So ist das Seeholz ein Rückzugsgebiet für viele Pflanzen und Tiere. Nicht weniger als 7.000 Tierarten sind dort nachgewiesen. |
|
|
|
Von all unseren Spechten ist er der seltenste und ringsum im 5-Seen-Land gibt es ihn ständig nur hier, das allerdings gleich in 4- 5 Brutpaaren. Viele alte Ornithologen, wie auch Prof. Wüst, glaubten gar, das er nur in manchen Jahren, also nicht regelmäßig, hier gebrütet hat. Auf Kilometer Weite rundum im Land findet der Vogel den ihm ganz genau zusagenden Wald nur hier, wenn man einmal von Kleinstrukturen in den übrigen Wäldern absieht. Gewiss, es gibt ihn noch da oder dort in Deutschland, aber unheimlich selten und fast immer sind das Wälder, die dem Typ des Seeholzes entsprechen, Auwälder meist, mit einem Reinbestand von alten Eichen und Weißbuchen. Mit Holzackebau und Fichten-Monokulturen kann er nichts anfangen. Darum ist er auch so selten geworden als Opfer früherer Förster-Generationen, die ihn mit ihrer Art von Waldbau ausgerottet haben ohne es überhaupt zu bemerken. |
|
|
|
In der Nähe meines Hauses haben die Waldränder und Hecken just jene Strukturen wie im Seeholz. Zwar ist das kein geschlossener Wald dieser Art, sondern nur ein Streifen, aber er hat eben jene Zusammensetzung von alten Eichen und Hainbuchen, aber ich hatte ihn in den letzten 25 Jahren nie zu sehen bekommen, obwohl ich täglich dort entlanggehe. Er ist zwar zurückhaltend, aber wirklich scheu ist er nicht. Wenn er fein gemahlene Erdnüsse aus den Ritzen eines Eichenstammes schleckt, verhält er sich wie bei der Naturnahrung im Wald. Dabei ist er dem Grossen Buntspecht mit seiner längeren Pinselzunge überlegen. Scheu war er nur gegenüber den anderen Futtergästen und gegenüber dem Großen Buntspecht. Meist zeigt er sich früh morgens in der Zeit zwischen 8 und 9 Uhr, denn dann sind noch wenige andere Vögel an der Lockfütterung und naschen. Zu anderen Zeiten kommt er unregelmäßig, und man muss Geduld haben beim Fotografieren. Ich habe die Nahrung entweder zwischen die Rinde oder in Hackstellen und auch zwischen die Rindenritzen der Eiche geschmiert. Er hat es rasch gelernt auf diese Weise sein Futter zu suchen, denn meine Art der Fütterung, mit gemahlenen Nüsschen zwischen den Ritzen entsprach ganz der gewohnten Nahrungsaufnahme. Nahrung für die Jungen suchen sie meist im Nest-Umfeld, überfliegen aber auch Freistrecken von 3-400 m dabei. Bis zum 9.Tag bleiben die Eltern abwechselnd hudernd in der Höhle um die Jungen zu wärmen. Nach zwei Wochen schauen die Jungen aus dem Loch und von jetzt an füttert er sie von außen. Aber bis dahin hört und sieht man sie nicht und sie verraten den Standort der Höhle auch nicht durch Wispern oder Rufen. Bis zur 3. Woche nächtigt das Männchen mit den Jungen in der Höhle, aus der sie meist morgens schlagartig innerhalb eines Tages ausfliegen, um jetzt noch 2 bis 3 Wochen von den besorgten Eltern in das feindliche Leben eingeführt zu werden. Die natürlich Nahrung ist den Sommer über fast immer animalisch. Nur im Winter nehmen sie auch Sämereien, oder Früchte, und so ist auch das Erscheinen des Mittelspechtes vor meinem Fenster zu erklären. Wahrscheinlich haben ihn Grosse Buntspechte mitgebracht. Meine Art des Fütterns entspricht fast der Natur, weil ich das Futter in Baumlöchern präsentiere. Dennoch ist Füttern so unnatürlich, dass ich 25 Jahre gebraucht habe, bis ich diese scheuen Vögel so zahm hatte, dass sie zu mir kamen um sich satt zu essen. Dass es 25 Jahre gedauert hat, bis überhaupt ein Mittelspecht in Menschen-Nähe eine künstliche Fütterung entdeckte, ist daher in jeder Hinsicht bemerkenswert. Wolfgang Alexander Bajohr |