Ammersee-Süd:
Heute kehrt der Storch ins Ammermoos zurück.
Das Seltsame daran ist, dass sie von Westen kommen, ihre Ringe beweisen
es. Einst
waren die Froschschenkel Adebars Leibgericht, heute sind es die Wühlmäuse
von Wolfgang
Alexander Bajohr
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und Römer hier siedelten, da ist der Storch den Menschen als freiwilliges Haustier ins Dorf gefolgt, und hat sein Nest auf Reetdächer und später auch auf die Kamine gebaut. Die Bauern haben in der folgenden Zeit großen Wert auf ihren Hausstorch gelegt, weil er Glück bringt. Ohne Menschen hätte er nie so dicht gesiedelt. So wurde der Storch ein Menschenfreund. In vielen Jahrhunderten engen Zusammenlebens wurden Störche Symbol von Liebe und Fruchtbarkeit, und damit auch als Kinderbringer. Das war so in ganz Europa. Doch die meisten Störche habe ich heute noch in Masuren und Litauen angetroffen, wo auf einem einzigen Bauernhof oft mehrere Paare nisten. Doch finden wir auch noch die ursprünglichen Nester auf alten Bäumen. Man hat oft gemeint, dass der Rückgang mit der Verdrahtung der Landschaft zu tun hat. Das ist aber nicht wahrscheinlich, denn in Ungarn und Rumänien aber auch in den neuen Bundesländern nisten die Störche bevorzugt auf den Strom-Masten. Der letzte Storch in Raisting hatte sein Nest auf dem Kamin der Bäckerei an der Bachbrücke. Ich habe ihn vor 50 Jahren noch erlebt, aber dann ist er verschwunden wie die Störche rundum im Land. |
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getummelt. So hat sich ein Mosaik unterschiedlicher Nutzungsarten miteinander verzahnt. Jetzt ist alles drainiert, denn Großmaschinen sind für Feuchtwiesen zu schwer. Wer auch heutzutage noch über die extensiv genutzten Wiesen in Polen, Ostpreußen, Litauen geht und erlebt wie nach allen Seiten die Frösche davonhüpfen, der versteht, was wir bei uns angerichtet haben. |
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vergißmeinnicht, lila Dost und Baldrian, oranger Sumpf-Pippau, Wachtelweizen und Klappertopf, rot leuchtender Blut- und Gilbweiderich, Waldengelwurz und Schachtelhalm. Bei den Gräsern ist der Anteil von Sauergräsern, wie Segge und Simse, Wollgras und Pfeifengras hoch. Borstgras, Großseggen und Binsen sind sicher kein Qualitätsfutter, aber die Menschen hatten es noch fertig gebracht, spezielle Rinderrassen zu züchten und das Vieh ihrer Landschaft anzupassen, Rassen die das alles fraßen, was Wohlstandskühen nicht schmeckt. Das sollen jetzt zwei Wesen aus diesem Lebensraum bewusster machen: nach 10 Jahren kommt der Storch zurück und als Pflanze das Breitblättrige Knabenkraut. Nur auf Naturwiesen leben noch die Magergras-Schmetterlingsarten Aurorafalter und Schachbrett, Moorbläuling und Moorgelbling, die vielen Scheckenfalterarten, Schillerfalter und Brombeerzipfelfalter, Purpurspanner und Minzeneule, Grünwidderchen und der kleine Ampferfeuerfalter. Da jagen Smaragdlibellen, gefleckte Heidelibelle und Vierflecklibellen. Von ungezählten Mücken- und Gelsenarten leben Amphibien. Im Vorfrühling kommen Gras- und Springfrosch aus dem Wald. Es wimmelt von Laub- und Wasserfröschen und die Nacht ist erfüllt vom hellen Glockenruf der Kröten und tiefem Unken der Gelbbauchunke. Sie alle sind neben den Mäusen eine Hauptspeise der Störche und Kaulquappen sind erste Babynahrung für die Kinder der Störche. Sie fangen auch Blindschleichen, Mooreidechsen und Ringelnattern. |
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obwohl ihn im Dorf alle gerne behalten hätten. Die Erfahrung zeigt, dass man den Störchen durchaus helfen kann. Trockene Sommer beweisen, dass die von Vogelschützern angelegten Feuchtbiotope und Tümpel in der Feldflur sich bewähren, um Nahrungsengpässe zu überbrücken und das Futter für viele Jungstörche zu liefern. Nur gibt es viel zu wenige davon. Vogelschützer brauchen Bauern als Partner, weil ohne diese Zusammenarbeit gar nichts läuft. Den Storch wollen ja beide. Bauern können aber auch durch die Zuschüsse aus den verschiedenen Förderprogrammen gutes Geld als Naturschutz- und Landschafts-Fachwirte verdienen. Schließlich ist das, was sie dann leisten, auch Schutz und Reparatur der bäuerlichen Kulturlandschaft. |
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sich im Fettgewebe an. Jeder fehlende Storch ist eine Frühwarnung der Natur vor Umweltgiften, auch für uns. Selbst im Storchenland Litauen ist 2005 nur noch die Hälfte der Störche auf die Nester zurückgekehrt. Wer mit dem Vogelzug südwärts fliegt lebt also gefährlicher als der Storch, der hier bleibt und sich durch den Winter von tierfreundlichen Menschen päppeln lässt. Die Kälte tut dem Storch bei uns nichts, nur der Nahrungsmangel. Ist doch auch Raisti aus Menschenhand aus der Gegend von Strassburg gekommen. Eine andere Storchengruppe, die im Herbst im Ammermoos Futter suchte, kam ebenfalls von Westen, die Nummern auf ihren Ringen beweisen es. |
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Steuer, um schwebend seine Wendungen auszuführen. Anfang April bis Ende Mai kehren sie zurück. Oft kommt erst das Männchen, manchmal auch beide gemeinsam. Da gleiten sie aus großer Höhe herab und sitzen plötzlich wieder auf dem vom Winter zerzausten Horst. Den haben ihm nun ebenfalls in Raisting die Menschen vorbereitet, auf der kleinen Kirche und auf dem Mast mitten im Industriegebiet. |
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auch schon. Wenn der Storch klappert, biegt er den Kopf weit nach hinten, bis der Scheitel fast den Rücken berührt. Auch frisch geschlüpfte Babys müssen die Eltern mit heftigen Verbeugungen um Futter anbetteln. Dann würgen ihnen die Eltern allerlei Kleingetier vor und sie bringen ihnen auch Trinkwasser. Zwei Monate danach im August, stehen die stattlichen Jungen auf dem Horst und beginnen mit mächtigen Flügelschlägen Luft solange im Leerlauf zu peitschen, bis ein Windstoß den Vogel hochhebt und er zum nächsten First hinübersegelt. Im September versammeln sich Alt und Jung aus mehreren Familien, um die große Wanderung anzutreten. Sobald Sonne die Luft soweit erwärmt, dass sie aufsteigt, heben die Störche ihre Schwingen und schrauben sich in Kreisen segelnd, ohne Flügelschlag, in Höhen hinauf, wo sie dem Blick entschwinden, und eine Südwestströmung sie entführt. Eine Weile ist auch
das Ammermoos der Raistinger Wiesen ein Zwischenrastgebiet für die Störche.
Da suchen sie Futter und meist halten sie auf Distanz zu den Menschen. Sie
sind nicht so zahm wie die Raistinger Störche, sondern Wildtiere, die
Menschen zu Fuß gar nicht mögen. Wer sie beobachten will, tut besser daran im
Auto zu bleiben und nur aus diesem Versteck zu beobachten, weil das Auto
allemal das bessere Versteck ist, weil sie das akzeptieren. Wer zu Fuß
hinter den Störchen herläuft und sie aufscheucht, ist keinesfalls der
bessere Naturschützer. |