Die Landschaft südlich des Ammersees: Naturschutz oder Kulturlandschaft?
Unsere Kulturlandschaften sind Lebensräume aus Menschenhand

Wer es nur für Naturschutz hält, was hier geschieht, der irrt sich, denn wir erhalten es auch für uns Menschen. Es ist ein Teil unserer eigenen Vergangenheit, dass wir die bäuerliche Kultur erhalten wollen. Auch in unserem 5seenland brauchen die Pflanzen und Tiere ihren arteigenen Lebensraum. Der aber ist nur noch ganz selten eine unberührte Wildnis, sondern fast immer eine von der Arbeit der Bauern geprägte Kulturlandschaft.

Sie wurde bis in unser Jahrhundert hinein durch die Art ihrer Nutzung geschaffen und erhalten. Das geschah in einer Jahrtausende langen Geschichte. Eine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt hat sich in diesem Lebensraum aneinander und an die menschliche Nutzung angepasst. Die damit entstandene ökologische Qualität dieser Landschaft ist entscheidend für das Fortbestehen der vielfältigen Fauna und Flora, die heute vielfach bedroht ist.

Ob der technische Fortschritt der letzten Jahrzehnte, mit Rationalisierung und Leistungssteigerung, der auch vor der vom Bauern geprägten Landwirtschaft nicht Halt machte, wirklich ein Fortschritt oder ein Irrweg ist, oder ob es beide nebeneinander geben wird, bleibt bislang noch offen. Doch der damit verbundene Wandel gefährdet auch unsere traditionsreiche Landschaft, aber auch unser Kulturerbe.

Es ist ein Glücksfall, dass die Schutzgemeinschaft Ammersee Süd in diesem besonderen Lebensraum aktiv wurde. Sie ist nicht ein Verein von ein paar verrückten Naturschwärmern und Spinnern, sondern sie übernimmt die Rolle der heute so oft und von so vielen verlassenen bäuerlichen Tradition. Mit maßvollem Einsatz von Technik, weil es als Handarbeit heute nicht mehr bezahlbar und möglich ist, leistet sie Beachtenswertes, das Kulturerbe der Vergangenheit zu erhalten. Es gehört gar nicht soviel Weisheit dazu die Düngung zu vermeiden und sich mit einmahdiger oder allenfalls zweimahdiger Wirtschaftsweise zufrieden zu geben.

Neben naturnahen verbliebenen Waldteilen und Mooren, geht es vor allem auch um die Blütenpracht der Streuwiesen, um Heide und Magerrasen, Hecken, Feldgehölze, Streuobstgärten, Wiesen, Weiden und auch auf bestimmten Feldern um alte Wirtschaftsweise.

Wer heute eine ganz gewöhnliche Blumenwiese sehen will, der muss oft weit fahren und noch weiter wandern, soweit ihn die Füße tragen. Wer aber das sehen will, was wir ihm hier zeigen, das doch nur ein Ausschnitt ist, der muss noch weiter laufen um alleine schon die wenigen hier abgebildeten Blumen und ihre Wiesen zu finden. Die Zahl der Arten lässt sich natürlich noch vielfach erweitern, und wir werden um einen Nachtrag bemüht bleiben.

Auf der ganzen Welt gibt es keine zwei Blumenwiesen, die sich gleichen, denn jede ist anders. Wir haben hier aus der kunterbunten Vielfalt der ursprünglichen bäuerlichen Landwirtschaft einige Hände voll gepflückt um etwas aus dem 5seenland zu zeigen: so schön kann ein Wirtschaftsraum, eine bäuerliche Kulturlandschaft sein. Bei drei Arten der Blumen haben wir eine kleine Geschichte hinzugefügt. Doch hätte eigentlich jede der Blumen ihre eigene Geschichte. Wir möchten eines klar machen: darum hegen und pflegen wir sie – und wir kaufen diese Wiesen, damit sie erhalten bleiben. Das kostet eine Menge Geld. Aber diese Wiesen sind nicht nur schön, sie sind voller Summen und voller Schmetterlinge, von denen jeder auf eine andere Pflanzenart angewiesen ist.  Dort brüten aber auch viele Vogelarten und dort leben auch noch eine ganze Menge anderer Tiere, deren Lebensraum diese wunderschönen Wiesen sind. Sie sind ein Teil der Heimat im Natur-5seenland.

Wolfgang Alexander Bajohr