Ammersee-Süd: Der Flussregenpfeifer
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Ein lerchengroßer Vogel rennt vor uns über die Steine, mit so schnellen Trippelschritten, dass man die gelben Beinchen gar nicht sieht. Auch die großen dunklen Knopfaugen haben einen gelben Ring. Die Oberseite ist erdgrau, der Bauch weiß. Kopf und Hals schmückt ein nach hinten zu schmäler werdendes Band. Den schwarzen Schnabel und Auge verbindet ein schwarzer breiter Strich. Die Stirn ist weiß, schwarz und wieder weiß gebändert. Das Vögelchen rollt so flink über den Kies dahin, als würde es auf Rädern gezogen. |
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"Tüdühdüh, tüdühdüh", sein Ruf ist nicht zu überhören. Dann sagt er zweimal "djüew, djüew", und drei sandfarbene Flaumbällchen mit dunkelbrauner Zeichnung rennen auf den Altvogel zu. Der nimmt sie unter sich, um sie zu hudern und zu wärmen. Ihre Tarnfarbe ist perfekt, die Anordnung der Zeichnung gleicht schon jener der Eltern. Ein Flaumbällchen, dem die Tarnung zuweilen zum Verhängnis wird, wenn Menschenmassen auf den Kiesflächen lagern und Grillfeste feiern. Wird ein Nest zertreten oder fortgeschwemmt, brütet der Regenpfeifer auch dreimal. Dieses Nachlegen hat die Art trotz aller Verluste durch Badegäste doch noch überleben lassen, und manchmal hilft halt auch ein regnerischer Sommer, wenn die Menschen ausbleiben.Aber was ist denn mit dem Altvogel los? Mit hängenden Schwingen hinkt er auf nur einem Bein davon. Dann fällt er ganz einfach um, überschlägt sich, liegt auf dem Rücken und zuckt nur mit den Flügeln. Mitleidig bücke ich mich, um ihn aufzuheben. Da hinkt er weiter. Ich folge ihm. Das Spiel wiederholt sich, bis er mich, jämmerlich dabei flötend, 50 m weit weggelockt hat und auffliegt um zu seinen Jungen zurückzukehren. |
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Kiesflächen zu drehen und von großen Steinchen zu säubern. Dann steht das Weibchen oft unbeweglich daneben, sobald das Männchen beginnt mit Steinchen zu werfen. Irgendwann schnackelt es aber auch bei ihr, und sie läuft zum Mulde bauenden Männchen. Während sie herantänzelt, spreizt das Männchen den Schwanz, duldet es aber, dass seine Braut weiterbaut, und er wirft ihr die kleinsten und schmuckesten Kiesel zu. Irgendwann, nach der Kopulation, liegt dann auf einem "Polster" vieler gleich großer kleiner Steinchen ein verhältnismäßig großes Ei und dann jeden Tag ein weiteres, bis 3 oder 4 beisammen sind, die mit der Spitze immer zur Mitte zeigen. Zwar brütet überwiegend das Weibchen, aber das Männchen löst es immer wieder ab, damit es Insekten suchen kann. Immer, wenn einer von beiden die Brutablösung wünscht, deutet er das damit an, dass er dem Sitzenden weitere Steinchen in die Nestmulde wirft. Bevor er sich selbst dann setzt, baut er zuweilen auch noch ein Hälmchen mit ein. Der ablösende Vogel kommt stromauf- oder stromabwärts von der Futtersuche laut pfeifend herbeigeflogen. Bevor der abgelöste Partner pfeifend davonfliegt, wirft auch er meist noch mit einigen Steinchen. Die Brut dauert runde 24 Tage, also recht lange für einen so kleinen Vogel. Bis die Jungen ebenso geschickt weit und rasant fliegen wie die Eltern, vergeht noch einmal die gleiche Zeit. Damit bleibt in der Regel noch genügend Spielraum, um vor dem Herbstzug noch eine zweite Brut aufzuziehen, denn im Kies und im Flachwasser am Fluss wimmelt es in dieser Zeit von Insekten, Larven und Krebschen. Etwa September/Oktober versammeln sich die Familien miteinander und an den Schlickbänken auch mit Kiebitzen, um gemeinsam die weite Reise in den Süden anzutreten. |
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Wo natürliche Bäche und Flüsse sich in Mäandern durch das Land winden, ändern sie jeden Tag vielfältig das Bild der Natur. Gerade das ist es, was reich gegliederte Lebensräume entstehen und wieder vergehen lässt. Die Fließgewässer formen ihr Bett täglich, und gerade darum sind ihre Ufer und ihr Lauf so reichhaltig, dass es dem Flussregenpfeifer und vielen anderen Tieren dort gefällt. Da wechseln seichte Stellen, welche die Sonne erwärmt, mit Kiesinseln und tiefen kühlen Gumpen. Der Flussregenpfeifer liebt die bei jedem Hochwasser sich verändernden kahlen Sand-, Schlick- und Kiesflächen. Sie sind eine Voraussetzung für die Brut von Flussregenpfeifer, Flussuferläufer und Flussseeschwalbe. |
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oder Jungtiere verhungern. Es ist dem Flussregenpfeifer auch egal, ob Menschen, die seine Eier zertreten, nackend sind oder eine Badehose anhaben. Wenn es nicht gelingt, diesen Massentourismus anders zu kanalisieren, dann geht einer der letzten natürlichen Lebensräume für den Vogel des Jahres 1993 auch noch verloren. |
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Nicht vorgesehen in ihrem
Plan ist aber, wenn Rabenkrähen sich an Müllplätzen mästen und stärker als
natürlich vermehren. Damit kann ihre Überzahl für Flussregenpfeifer zum
Problem werden. Ich befürworte keineswegs den totalen Krieg gegen die
Rabenkrähe, den manche Jäger früher geführt haben. Auch die Krähe hat ein
Lebensrecht und soll zur Brut ihre Schonzeit haben. Aber an den nur rund 250
Nestern von Flussregenpfeifern in Bayern ist sie nicht gern gesehen. Viele
Vogelschützer haben darum schon den Kontakt zum Jäger gesucht, damit er
ihnen hilft den Krähenbestand auch in Naturschutzgebieten beizeiten
einzuregulieren, bevor er bei seltenen Problemvögeln eine Gefahr wird. Gegen
wenige Krähen weiß sich auch der Flussregenpfeifer zu wehren, aber nicht
gegen einen durch Futter an Müllplätzen unnatürlich überhöhten Bestand. Wir
kommen heute auch an einem Management nicht vorbei. Darum hat der Landesbund
für Vogelschutz vorgeschlagen, für die Nachfolgenutzung von Kiesgruben ein
Starnberger Modell zu entwickeln und die Nachfolgenutzung ausgebeuteter
Kiesgruben dem Vogelschutz anzuvertrauen. Er könnte mit der Hälfte der
vorgeschriebenen und bis jetzt hinterlegten Sicherungssumme, neue Biotope
schaffen, in denen der Flussregenpfeifer und Uferschwalben ihren Brutplatz
und Amphibien Laichgewässer finden, wovon aber auch noch viele andere Tiere
und Pflanzen profitieren könnten. Was einst nur Unland war oder Müllplatz
wurde, ist künftig für den Flussregenpfeifer die Kinderstube und ein
Lebensraum aus Menschenhand. Kiesgruben-Manager Jais aus Gilching hat sich
da besonders aufgeschlossen gezeigt. Er hilft nicht nur durch Gestaltung der
Kiesgrube den Vögeln, sondern außerdem mit Geld.
In seiner Kiesgrube hat sich
eine Uferschwalbenkolonie etabliert und sogar auf einem Nistfloß die
Flussseeschwalbe. |