Aktuelles: Buchbesprechung
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Rabenschwarze Intelligenz – Was
wir von Krähen lernen können Professor
Josef Reichholf wird mit Recht als Bayerns kompetentester Zoologe und
Ornithologe vorgestellt. An der zoologischen Staatssammlung in München
leitet er die Hauptabteilung Wirbeltiere und insbesondere Ornithologie. Seit
20 Jahren hält er an der Uni München Vorlesungen über Ökologie und
Evolutionsbiologie der Vögel. Gemäß Cicero-Ranking 2008 zählt er zu den 40
prominentesten Naturwissen-schaftlern in Deutschland. Sein neues Buch ist einem unserer Lieblingsthemen gewidmet. Denn noch immer bestehen zwischen Wissenschaft und Jägern erhebliche Meinungsdifferenzen. Für uns ist es daher erfreulich, dass wir mit unserem Bildmaterial das kompetente Buch dieses bekanntesten Wissenschaftlers begleiten dürfen. In diesem Sachbuch „Rabenschwarze Intelligenz“ erschließt Reichholf die facettenreiche Welt der Krähenvögel zwischen Mythologie und Wissenschaft. Er berichtet anschaulich über die selbst erlebten intelligenten Verhaltensweisen der Tiere. Raben können schwindeln wie Menschen. Sie können zwischen gut und böse unterscheiden. Sie bestrafen Gemeinheiten und verfügen über ein erstaunliches Gedächtnis. Obwohl alle
Rabenvögel Singvögel sind, singen die Meisten von ihnen nicht, aber
besonders der Kolkrabe kann die Stimme der Menschen täuschend ähnlich
nachsprechen, wie es kaum ein anderes Tier vermag. Raben sind zuweilen
rätselhafte Tiere, die es zwar zum Götterboten brachten, die aber vielleicht
gerade darum den Menschen nie so recht geheuer waren. Das zeigen vielfältig
auch Mythologie und Volksglaube. Von einer
unheimlichen Aura umgeben galten sie nicht umsonst als Vögel des
Totenreiches. Weisheit symbolisierend standen sie in vorchristlicher Zeit
den Göttern als Beobachter, Boten und Ratgeber zur Seite. Die
Christianisierung hat im Zuge der Zerstörung konkurrierenden Glaubens auch
die Raben demontiert. Sie galten fortan als böse und unheilvolle Tiere.
Dabei sind die Kolkraben und viele ihrer Verwandten wie Rabenkrähe,
Nebelkrähe, Saatkrähen, Dohlen, Elstern und Eichelhäher so klug, dass sie es
mit der Klugheit der Primaten durchaus aufnehmen können.
Professor Reichholf fasst in seinem Buch viele Studien zusammen, sowohl von
freilebenden Vögeln, als auch solchen, die von Hand aufgezogen wurden. Die
Vögel können eigene Artgenossen im Schwarm identifizieren, ihre
Futterkonkurrenten durch Verstecken an der Nase herum führen. Sie können
Wölfe und selbst so große Vögel wie Steinadler und Seeadler im Schach
halten. Sie finden im Boden versteckte Walnüsse nach Monaten wieder und
benutzen gezielt am Fußgängerübergang den Straßenverkehr um Nüsse zu
knacken. Eichelhäher und Tannenhähern gehören auch zu den wichtigsten Tieren
des Waldes, weil sie den Wald pflanzen. Reichholf
hat seine Erfahrungen schon als Kind mit den eigenhändig aufgezogenen Dohlen
und Kolkraben gemacht und berichtet daher unterhaltsam und lehrreich über
diese wahrhaft klugen Tiere. Er entlarvt dabei manche typisch menschlichen
Vorurteile, die nicht selten einem Neidkomplex entspringen. Wolfgang Alexander Bajohr |